Porno-Pablo

Ganz unverfänglich, mit „Radierungen“ von Pablo Picasso, entstanden wenige Jahre vor seinem Tod, kam das Museum Ludwig in Köln mit einer Ankündigung von Zeichnungen um die Ecke. Der Nachbar und ich bogen um selbige am Rhein entlang, im Rahmen eines Spaziergangs zum Museum, um die Werke in Augenschein zu nehmen. Oh! Ah! Huh! Wow! Die Radierungen entpuppten sich als orgiastische, in pornografischer Detailversessenheit gezeichnete, überwältigende Ansammlung von gestapelten, gehäuften, in- und übereinander liegenden Monsterbrüsten und haarigen Megamösen. Ein so nicht erwartetes, spannendes Sex-Spektakel am beschaulichen Sonntagnachmittag, zu Papier gebrachte Phantasien en masse, Pferdepenisse inklusive. Unverhofft kommt halt echt oft, auch der Porno-Pablo.

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Madonna, part of my life

Bei „Ray of Light“ kullern die Tränen. Da wird mir bewusst, dass das schon 20 Jahre her ist, dass ich dieses Madonna-Lied während des Studiums rauf und runter gehört habe. Und weitere 20 Jahre, dass ich als Schulkind zu ihren 1908er-Jahre-Popsongs durchs Wohnzimmer hüpfte. Madonna, part of my life. Jetzt turnt diese ikonische, zum Gesamtkunstwerk gewordene Person – wenige Monate nach ihrem Aufenthalt in der Intensivstation – umgeben von faszinierenden, schillernden Settings und Menschen über die spektakulär inszenierte Bühne. Ihre Show ist eine Erzählung über ihr Leben, und auch eine Hommage an Michael Jackson findet ihren Platz. Madonna wirkt so zerbrechlich und steckt doch voll umwerfender Power.

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Im Blutegelrausch

Jetzt also die Knie. Vor zwei Jahren hat mich der Fuß geplagt, und das war der Anfang einer großen Veränderung. Auf dem Fuße folgen die Knie. Um den Fuß zu schonen, trainiert man weniger, belastet weniger, latscht aber weiterhin ganzjährig durch Feld, Wald und Flur, unterfüttert und gepolstert durch dicke orthopädische Einlagen in den Wanderschuhen – und macht sich dennoch die Knie malad.

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Stress am Setsass

Südtirol, mein Sehnsuchtsort. Damit war ich noch nie allein, und in den letzten Jahren bin ich damit noch weniger allein. Am Abend vor meiner Anfahrt schaute ich eine Reportage von 2022, in der es darum geht, dass Südtirol der Geister in Form von Touristen, die es rief, nicht mehr Herr wird. Ich bin 2023 mittendrin.

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Wien: das Herz in Flammen

Wien. Wie lange war ich nicht dort? Jedenfalls viel zu lange. Und jetzt nicht lange genug da. Mein Aufenthalt dauerte nur drei Tage. Die allerdings sind voller Gegensätze, vom Rammstein-Konzert im Ernst-Happel-Stadion mit 70.000 Menschen und dem furiosen Flammenspektakel mit gedärmdurchwalkenden Gitarren- und Bassgewummer, über Schloss Schönbrunner Glorietten-Café-Idylle bis hin zum Klavierflügel-Grab von Udo Jürgens auf dem Zentralfriedhof.

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Zug um Zug

Es kann manchmal wirklich eine große Herausforderung sein, mit der Deutschen Bahn überhaupt und dann auch noch in guter Verfassung irgendwo anzukommen. Meistens sind Verspätungen und verpasste Anschlüsse der Killer, aber diesmal geriet ich auf der Fahrt nach Berlin in einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum rund um meine Bahncard.

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Von der Murgquelle, Forellen und Amseln

Als alles vorbei ist, fällt der Groschen. Die Freundin und ich stapfen nicht mehr auf Schwarzwald-Wanderwegen nebeneinander her wie die letzten Tage über, sondern wir sitzen nebeneinander im Auto auf der A5 zurück nach Köln. Am Tag zuvor kämpften wir uns bei Hitze die Schlussetappe der Murgleiter von Baiersbronn auf den Schliffkopf empor. Kurz vor Schluss kommen wir an einer zugewachsenen Stelle mit Infotafel vorbei. Jetzt, im Auto, geht mir auf: Das war die Murgquelle! Und die Murgleiter heißt so, weil man von Gaggenau aus murgaufwärts der Quelle in fünf Etappen entgegensteigt.

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Naturmomente auf der Murgleiter

Ein toter Feuersalamander, zwei bis drei Greifvögel, ein Reh: Die Fauna-Quote in fünf Wandertagen im Nordschwarzwald ist durchaus ausbaufähig. Vielleicht haben die Viecher hier aber noch so viel Ausweichraum jenseits des Menschen, dass der eben bei seinen Wanderungen nicht viel von ihnen mitbekommt. Es wäre ihnen jedenfalls zu wünschen. Aber auch Zweibeiner treffen wir, wie schon die Tage zuvor, kaum auf dieser Murgleiter-Wanderung.

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Westweg 4: Endlich Schwarzwälder Kirsch

Eiskaffee hatte es schon gegeben, Kuchen auch und, wie das bei Wanderungen im Sommer so ist, hektoliterweise rucksackwarmes Wasser. Außerdem Kirschen, im Garten der Hoteliers selbst geerntet. Einmal ging´s gut, beim zweiten Mal – heute – zur Mittagspause Enttäuschung: ein Plastikschüsselchen rot-weiß gesprenkelten Inhalts im Rucksack, Kirschen mit reichlich Maden dran und drin. Dafür gibt es am vorgezogenen Etappenende endlich ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte. Diesem Kuchen gewordenen Frevel aus Schweinereien sehne ich mich schon seit Aufbruch in Köln vor einigen Tagen entgegen.

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