Als alles vorbei ist, fällt der Groschen. Die Freundin und ich stapfen nicht mehr auf Schwarzwald-Wanderwegen nebeneinander her wie die letzten Tage über, sondern wir sitzen nebeneinander im Auto auf der A5 zurück nach Köln. Am Tag zuvor kämpften wir uns bei Hitze die Schlussetappe der Murgleiter von Baiersbronn auf den Schliffkopf empor. Kurz vor Schluss kommen wir an einer zugewachsenen Stelle mit Infotafel vorbei. Jetzt, im Auto, geht mir auf: Das war die Murgquelle! Und die Murgleiter heißt so, weil man von Gaggenau aus murgaufwärts der Quelle in fünf Etappen entgegensteigt.
Zu spät. Wir haben den Fokus des Wanderwegs Murgleiter sprichwörtlich links liegen lassen. Eine Woche lang sind wir an der Murg entlang mit dem Bähnle durchs Murgtal gefahren, wir waren im Forbacher Murggarten auf dem Dorffest, haben auf ungezählten Brücken die Murg gequert, zwei Etappen der Murgleiter bewältigt, und dann latschen wir einfach an der Murgquelle vorbei.
Unterwegs waren wir an diesem Tag im lauschigen Forellenhof eingekehrt, ein wunderschön gelegenes Ausflugslokal, hochwertig renoviert – die Michelin-Stern-Familie Bareiss aus Baiersbronn hat hier ein bezahlbares Kleinod geschaffen. Auf den Wanderwegweisern steht noch Fischerstüble, das war die laut unserem Hotelier sehr in die Jahre gekommene Vergangenheit des Forellenhofs. Jede von uns hat selbstverständlich bei der Rast im Forellenhof Forelle verzehrt. Hätte doch wenigstens eine von denen im Magen einen Murgmucks machen können, als wir die Quelle passierten? Nichts dergleichen. Es waren bestimmt launische Forellen, so wie bei Mozart, und die machen dann halt keinen Mucks, wenn es drauf ankommt.
Abends nach der Wanderung im illustren Waldhotel in Forbach – ehedem rustikales Landhotel, jetzt unter Leitung eines chinesischen Künstlers mit japanischer Küche – wird dafür umso mehr gehopst. Zwei Jungamseln – Ästlinge, wie die Freundin und ich uns zusammengoogeln – machen zwischen den Tischen und Beinen der Gäste Flugversuche. Dazwischen taucht immer wieder die Amselmutter mit Futter im Schnabel auf und versucht, den hopsenden Nachwuchs zu erreichen und zu stärken. Die Ästlingsphase der Jungamsel soll zehn bis vierzehn Tage dauern. Ob die beiden das überleben werden? Ein Junges bleibt schließlich unter einem Blatt sitzen, schließt die kleinen Amseläuglein und schläft nach den anstrengenden Sprüngen über die Restaurantterrasse ein. Am Tisch daneben wird Ente serviert.





Der Schwarzwald-Urlaub im Juni 2023 im Überblick:
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.