Auf der zweiten Westweg-Etappe passiert nicht viel. Die Sonne brennt, der Weg ist über viele Kilometer eine staubige Fahrstraßen-Piste, die die Füße quält und die Laune verdirbt. Die Freundin und ich halten es aus und durch. Wir werden mit einem Aussichtsturm, einem Hochmoorpfad, einer Aussichtskanzel und dem Klingen von Big Ben belohnt.
Nach erfolgreichem Gegondel mit Bahn und Bus, vor allem Bus, nach Dobel, dem gestrigen Schluss- und heutigen Startpunkt der Westweg-Etappe, durchschreiten wir das dortige Portal. Im Schwarzwald macht man sich tatsächlich die Mühe, zu jedem Etappenauftakt in jedem Ort ein Westweg-Portal hinzustellen. Ich hatte das so verstanden, dass eins in Pforzheim und eins in Basel steht, am Anfang- und Endpunkt des Westwegs, aber nein, in den vielen kleinen Orten dazwischen steht auch jeweils eines. Und sie sehen immer anders aus. Das in Dobel steht direkt neben der hübschen Kurverwaltung und ist mit den typischen Schwarzwaldschindeln bedeckt, die auch die hiesigen Häuser schmücken. Das, durch das wir morgen zu Beginn unserer Wanderung in Forbach schreiten werden, ist mit einer Hexe verziert. Irgendwie hat man es hier mit Hexen. Heute kamen wir auch am Hexenbrunnen vorbei und in den Bezeichnungen von allen möglichen Dingen, Gegebenheiten und landschaftlichen Formationen spielt die Hexe, spielen Sagen und Legenden eine Rolle. Gut, in bergigen Regionen ist das ja durchaus nicht ungewöhnlich, wieso sollte da ausgerechnet der Schwarzwald eine Ausnahme bilden.
Der Wanderführer verspricht nicht zuviel, er schreibt für die zweite Westweg-Etappe von Dobel nach Forbach davon, dass absolute Stille herrsche und man praktisch keinen Menschen treffe. Das stimmt. Wir treffen über den Tag verteilt sechs. Wir sitzen in die Landschaft glotzend auf stillen Aussichtspavillons, es gibt Brunnen, die für die in Betriebsferien befindliche einzige mögliche Einkehr der Etappe in Teilen entschädigen, wir schlurfen schwitzend und schweigend nebeneinander her.
In Forbach steht eine sehr große, imposante Kirche, aus dem für die Region typischen roten Buntsandstein gebaut. Sie klingt nicht nach dem üblichen Kirchenglockengeläut, sondern sie spielt die Melodie vom Big Ben in London. Als die Freundin und ich um 18 Uhr den Hang hinter Forbach herunterschreiten und uns auf die Dusche samt sich anschließendem Abendessen freuen, werden wir vom Big-Ben-Gebimmel begrüßt. Tatsächlich. Wir fragen uns, warum uns das am Sonntag bei unserer Ankunft nicht aufgefallen ist. Aber da waren wir auf dem Fest des Musikvereins was essen, und die dort aufgespielte Blasmusik hat offenbar alles andere übertönt, zumindest Big Ben.



Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.