Das war ein Abenteuer! Licht und Schatten, wie vieles im Leben. Ich habe völlig neue Betätigungsfelder entdeckt – etwa, mit den Händen in warmem Kies zu wühlen. Herrlich. An der Seite einer Mit-Wühlerin habe ich im Materialraum F20 während der Einheiten die Roman-Trilogie: „Damen im Kies – ein Inselkrimi“, „Abschied im Kies“ und „Wiedersehen im Kies“ erdacht. Muss ich dann halt nur noch schreiben! Und altbekannte Betätigungsfelder, wie das Radfahren, wurden zu neuem Leben erweckt. Nun gilt es eben den Ergometer zu treten und nicht mehr das Spinningrad, aber ich traue mich wieder.
Oft habe ich gehadert in den vergangenen vier Wochen, mit dem starren Stundenplan, dem festen Klinik-Tagesablauf, der Tatsache, dass die Vorgaben der Rentenversicherung, Zahlen und Abrechnungsdaten sich stärker auf die Tages- und Wochengestaltung auswirken als der Mensch mit seinen individuellen Störungen und Bedürfnissen. Mit den Diskussionen, die zu führen waren, um Zeiten, um das Essen, um Medikamente. Letztlich war es aber eine Zeit, ein ganzer Monat, jenseits und außerhalb meines sonstigen Lebens, in wunderschöner, vielseitiger Umgebung direkt am Meer, in jahreszeitbedingter Leere. Das war wunderschön.
Und trotz allem ging es eben in dieser Zeit um mich und meinen Körper und mein derzeitiges wie künftiges körperliches Wohlbefinden und Auskommen; das tut es sonst im Alltag mit all seinen Pflichten nicht.
Wie nahe sich einander wildfremde Menschen kommen können, bloß weil sie zufällig am selben Tag von draußen, aus allen Himmelsrichtungen kommend, beladen mit viel Gepäck im eigentlichen und übertragenen Sinne, in diesen abgeschirmten Klinikalltag stolpern. Bloß weil sie mehrmals täglich Tisch und Matte teilen. Das hat mich tief beeindruckt. Ein Kennenlernen und Teilen von Lebenswegen und Schicksalen ohne Scheuklappen, ohne Umwege und ohne Schnörkel und Peinlichkeiten.
Es wäre ganz wunderbar, wenn das im Berufsleben auch so sein könnte. Aber vor der hiesigen Klinik-Kontrastfolie des bedingungslosen gegenseitigen Anerkennens und Klarkommens miteinander scheint mir das für den Berufsalltag mit all seinen Maskierungen, Eigeninteressen und Hinterhältigkeiten, nur um weiter zu kommen oder besser da zu stehen als andere, noch hoffnungsloser als ohnehin schon. Umso schöner, das in einem komplett anderen Lebensumfeld vier Wochen lang einfach und mühelos erlebt zu haben.
Mit den beiden mitangereisten Frauen habe ich viel unternommen und Schönes erlebt, dem treuen Seat sei Dank, mit dem wir kreuz und quer über die Insel und auch von der Insel runter nach Stralsund gefahren sind. Es ging immer ehrlich, rustikal und herzlich zu und so viel wie in den letzten vier Wochen habe ich schon sehr lange nicht mehr gelacht.
Der Inselfunk Rügen stellt hiermit seinen Dienst – zumindest als Berichterstattung aus der Reha von der Insel Rügen – ein. Es gibt hier übrigens eine ganze Siedlung, die „Radio Rügen“ heißt, wie ich bei der sonntäglichen Bustour zum Kap Arkona staunend erfahren habe. Da wohnten einst die Funker mit ihren Familien. Tja, falsche Zeit! 2026 ist das alles längst Geschichte, und der Reha-Inselfunk jetzt auch.

Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.
Immer wieder schön geschrieben. Ich glaube wenn ich demnächst irgendwann oder irgendwo tisch 36 höre werde ich auf jeden Fall an uns denken und lachen müssen.
Ich werde deine Reise und Erlebnisse vollgen. Mit Spannung.
In den Bergen, wie im Flachen, immer schöne Texte. Alles hat seine Zeit.