Das war ein Abenteuer! Licht und Schatten, wie vieles im Leben. Ich habe völlig neue Betätigungsfelder entdeckt – etwa, mit den Händen in warmem Kies zu wühlen. Herrlich. An der Seite einer Mit-Wühlerin habe ich im Materialraum F20 während der Einheiten die Roman-Trilogie: „Damen im Kies – ein Inselkrimi“, „Abschied im Kies“ und „Wiedersehen im Kies“ erdacht. Muss ich dann halt nur noch schreiben!
Mitten in der Nacht reißt mich der Gedanke aus dem Schlaf, die Handbremse am Auto festgezogen zu haben. Um 2 Uhr sitze ich mit diesem Gedanken aufrecht im Bett. Draußen sind seit Wochen im winterlichen Göhren auf Rügen Minusgrade und die rheinlandverwöhnte Klinikbewohnerin mitsamt ihrem tiefgaragenverwöhnten Flitzer, dem jetzt sprichwörtlich draußen der Arsch abfriert, mussten lernen: Handbremsen frieren fest.
192 Zimmer hat die Reha-Klinik. Das sind zu jeder Zeit (außer bei Anreise zur Weihnachtszeit und um den Jahreswechsel, da war die Klinik nur schwach belegt) 192 Schicksale. Menschen mit Beschwerden am Bewegungsapparat, in der Seele oder einer Kombi aus beidem. Einsortiert sind die Rehabilitierenden je nach Beschwerdelage in unterschiedliche Gebäudetrakte.
Die Vorfreude war groß. Schifffahrt an den Kreidefelsen entlang von Sellin bis zum Königsstuhl und zurück. Wie so oft im Leben, sah die Realität ganz anders aus. Nämlich so: Nix Kreidefelsen. Nebel, soweit das Auge reicht. Stattdessen wurde eine der mitreisenden Klinik-Mitinsassinnen irgendwann kreidebleich, aufgrund des Seegangs. Lessons learned: Tickets nicht vorab bei der Touri-Info kaufen, sondern vor Ort auf dem Schiff. Dann fährt man nicht bei jedem Wetter – und sieht auch was.
Auf der Insel Rügen im Winter zu nächtigen bedeutet: kein Gekreische von Papageien und kein Lärm von Frachtflugzeugen in der Nacht. Beides sorgt in meiner Kölner Wohnung für einen beträchtlichen nächtlichen Geräuschpegel. Hier ist Ruhe, Stille, es rauschen nur der Wind oder das Wasser oder beides. Schon ein verirrtes Käuzchen in den Bäumen auf dem Klinikgelände sorgt für ungewöhnliche Lautstärke in der Nacht. Nach zwei Wochen Inselschlaf sind meine Ohrgeräusche weg.
Ist ein Leben ohne Leggings und Jogginghose möglich? Ich bin mir nach zwei Wochen in der Reha-Klinik nicht mehr so sicher. Durch die vielen verschiedenen Anwendungen und körperlichen Betätigungen den Tag über ist das die einzige Kleidung, die Sinn ergibt. Für draußen dann noch Thermohose und wetterfeste Jacke drüber. Verschiedene Schichten im Zwiebellook, Merinohemd, Trainingsshirt, Fleecejacke oder Pulli, Stulpen, Pulswärmer – fertig ist der Reha-Look.
Juhu, schon mehr als eine Woche überlebt im Paralleluniversum der Reha-Klinik! Das liegt auch daran, dass ich mit dem Auto auf die Insel Rügen gefahren bin und mir dieses nette Seat-Flitzerchen wie auch zu Hause meine kleinen Fluchten ermöglicht.
Ein Spaß für Jung und Alt! Das neue Brettspiel „Reha-Rambo-Zambo“ vermittelt unterhaltsam anhand wirklichkeitsgetreuer Situationen den Aufenthalt in einer Rehaklinik als Abenteuer. Da gibt es unerwartete Herausforderungen zu meistern!
Es gibt Erbsen, Raps und Kies. Nicht auf dem Teller und nicht am Strand, sondern im Ergo-Therapieraum F 20. Dort stehen Handbecken mit warmem Kies, Fußbecken mit Erbsen und eine große Schüssel mit eiskaltem Raps. Fünf Persönchen finden sich vor dem Raum ein, die Vorstellungsrunde fällt so aus: „Auch Erbse?“ – „Nee, Kies.“
Wofür sind neue Jahre und erste Januare da, wenn nicht dazu, Neues zu starten, sich was Neues vorzunehmen (was man meistens zwei Wochen später wieder verworfen oder vergessen haben wird) oder Altes aufzuwärmen und als Neustart zu verkaufen. Diesen Blog zum Beispiel. Es ist hier sehr ruhig, sehr, sehr ruhig, so ruhig wie im weihnachtlich still liegenden See geworden, weil drei Knie-OP ohne Erfolg oder Besserung sich leider auf die mit dem Wandern verbundenen Inhalte dieses Blogs ausgewirkt haben. Im Sinne von: Ich gehe nicht mehr wandern. Und ich gehe nicht mehr zum Spinning.









