Juhu, schon mehr als eine Woche überlebt im Paralleluniversum der Reha-Klinik! Das liegt auch daran, dass ich mit dem Auto auf die Insel Rügen gefahren bin und mir dieses nette Seat-Flitzerchen wie auch zu Hause meine kleinen Fluchten ermöglicht.
Raus aus dem Reha-Kasten, durch den Schnee über den Parkplatz stapfen, den vereisten Kofferraum aufreißen und erstmal mit dem Schnee-Eis-Kratz-Bürster rundum Schnee abräumen und Eis abkratzen. Mit etwas Glück lösen sich in dieser Zeit auch die festgefrorenen Scheibenwischer und eingefrorenen Fenster wieder. So ist momentan die Routine, um an eine ordentliche Tasse Café Crema und ein Milchhörnchen, eine Zimtschnecke oder ein Stück Streuselkuchen zu kommen.
Wenn ich zwischendurch eine Stunde Zeit habe, was kaum vorkommt, fahre ich mit dem Auto ins Dörfchen, parke vor dem Bäcker, mampfe was Süßes und genieße dazu den schönen Kaffee in riesigen Tassen. Ich weiß ja, dass ich Kaffee-Junkie bin, aber dass die Sucht mich im winterlichen Mecklenburg-Vorpommern durch die Auto-Enteisung über schlittrige Straßen zum Bäcker-Dealer zwingen würde, das hatte ich nun doch nicht erwartet. Ist aber eine schöne Sucht, denn ich komme so mal raus aus der Reha-Welt ins normale Alltagsleben, raus aus dem Kasernenton im Kasten und kann mir sogar den Tisch, an dem ich sitzen möchte, frei aussuchen. Ansonsten bin ich für die nächsten Wochen Tischnummer 36/2. Einen Namen braucht man nicht in der Klinik, man ist entweder die Tisch- oder die Zimmernummer, je nachdem, in welchem Kontext man sich befindet.
In der Woche, die ich jetzt auf der Insel Rügen weile, war ich schon oft zu Fuß oder eben mit dem Autochen beim Bäcker. Zu Fuß ist natürlich schöner, weil man ein gutes Stück mit Blick auf das Nordperd am Strand entlang gehen kann, aber dafür reicht die Stunde Zeit zwischen den Anwendungen nicht aus. Der Bus fährt nicht oft genug. Also rein ins Heilixblechle!
Bei der soundsovielten Kaffeebestellung am Bäckertresen fragt der freundliche junge Mann an der Kaffeemaschine: „Wohnen Sie eigentlich hier?“ – „Äh, ja, so gut wie, für die nächsten Wochen. In der Rehaklinik.“ – „Dann bekommen Sie jetzt mal unsere Kundenkarte.“ So schnell wird man heimisch!
Am Tisch mit Streuselkuchen und Kaffee denke ich krümelnd an meinen lieben Nachbarn Rolf. Wie oft sitzen wir zusammen, an seinem oder meinem Esstisch auf Etage drei, einer von uns beiden hat zuvor Mengen an Streuselkuchen besorgt, von denen man nicht glauben könnte, dass zwei Menschen sie einfach so aufessen können und Kaffee dazu trinken. Das meistern Rolf und ich zusammen extrem gut. An ihn denke ich also; wie nett es gewesen wäre, wenn ich den Lappen Streuselkuchen an der Theke nicht hätte durchschneiden lassen müssen für mich alleine, sondern wenn wir den ganzen Brocken wie sonst auch zusammen weggemümmelt hätten. Eine unverwüstliche Streuselbasis ist eine gute Grundlage für eine feste zwischenmenschliche Beziehung, kann ich nach fünf Jahren und vermutlich kiloweise Streuselkuchen für die Freundschaft mit Rolf festhalten. Und die Streuselbasis ist ebenfalls gut, um Leib und Seele während eines Reha-Aufenthalts zusammenzuhalten.

Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.
Am Sonntag lade ich dich zum Cafe und ein streuselkuchen ein .Weil du uns durch die gegend kutschierst ,und natürlich eine ganz liebe & nette Person bist .
Lg.Petra