Etwas Grün-Blondes lässt sich sonntagabends mir gegenüber auf den Sitz in der Straßenbahn plumpsen. Am Barbarossaplatz erklimmt das junge weibliche Wesen mühsam die steilen Stufen der Uralt-Jückelbahn (Barrierefreiheit braucht man in Kölle nicht; et hätt noch emmer jot jejange), fällt erschöpft auf den Plastiksitz, schließt die Augen und macht „Sssssssssss“.
Zum Valentinstag passt es doch, dass ich gestern am Hochbermel, einem ehemaligen Steinbruch hinter Monreal in der Südeifel, einen sehr schönen Heiratsantrag gesehen habe.
Erinnert sich noch jemand an BlaBla-Gitte? Dieser Typ Frau hat 2021 trotz Trennung meinen Entschluss bestärkt, lieber alleine durch die Wälder, Wiesen und über Wege zu ziehen als in einer Gruppe. Jetzt bin ich wieder auf ein solches Exemplar getroffen und erwäge, aus dem Alpenverein auszutreten.
Hallihallohallöchen, ich bin´s, der rechte Fuß, der Nachbar vom linken Fuß, haha! Immer ganz vorn mit dabei, immer einen Schritt voraus, immer forsch voran. Als First Mover des ganzen Harmuthschen Körpers habe ich dem Klappergestell mal gezeigt, wo der Hammer hängt, der Bartel den Most holt und der Frosch die Locken hat. Ach, das ist doch für die Füße!, das wird leichtfertig oft so dahingesagt, aber, meine Damen und Herren, da kennen Sie uns Füße schlecht.
Booster-Impfung in der Pizzeria. Klar. Treten wir einen Schritt zurück, schließen wir die Augen und stellen uns kurz vor, ich hätte im Dezember 2019 erzählt, dass ich mich sonntags in einer Pizzeria am Kölner Chlodwigplatz impfen lasse. Besorgte Freundinnen und betroffene Kollegen hätten daraufhin bestimmt ein paar Tonlagen tiefer sehr langsam beruhigend mit mir gesprochen. Im Dezember 2021 wundert das niemanden, überhaupt nicht, vielmehr werden Parallelangebote in der Ubierschänke ein paar Schritte weiter aufgetan.
„Ein unplausibler Zählerstand, der nicht in Ihr Verbrauchsbild passt“ – das steht in einem Schreiben von November 2021 an die „sehr geehrte Dame“, in dem Fall ich, vom Netzbetreiber. Von dem hatte ich bislang außer im Zusammenhang mit nur schleppend eingerichteten Ladesäulen für E-Autos nichts gehört. Das war die bessere Zeit. Nicht für die E-Autos, aber für mich. Seit das Briefchen auftauchte, bin ich in einem Korsett aus Zählerständen, Hotline-Warteschleifen und ins Nichts führenden Verweisen gefangen.
Manche Geschichten kann wirklich und ausschließlich nur das Leben schreiben. So wie diese über Begegnungen im Blumenladen in der Mittagspause. Mit meiner Kollegin will ich für einen anstehenden Filmdreh die Deko bestellen. Der Laden ist überfüllt mit älteren Damen, alle äußerst geschäftig im Adventskranz- und Adventsgesteck-Modus.
Einen Spagat schaffe ich physisch nicht, also muss man den auch sprachlich nicht immer unbedingt hinbekommen. Wie etwa in der hiesigen Situation, dass man versucht, Thomas Gottschalk und Pablo Picasso im selben Blogbeitrag zu verarbeiten. Am Wochenende war er nach zehn für ihn wettenlosen Jahren zurück: Tommy moderierte im für ihn typischen alterslos-schelmischen Stil eine „Wetten, dass…“-Sendung, mit inzwischen 71 Jahren.
Neulich wollte ein Bekannter mich mitnehmen zu einer Party, bei der, wie soll man es unter Wahrung des Anstands formulieren, es eindeutig um die Anbahnung körperlicher Kontakte geht. Ich hatte mir schon im Second-Hand-Laden ein Outfit gekauft, ein wehendes Party-Flitter-Fähnchen, für meine Begriffe noch angezogen genug, um sowas mal auszuprobieren. Für Profi-Begriffe wahrscheinlich viel zu angezogen.
Zehn Jahre lang bin ich wie eine Besessene auf dem Spinningrad in die Pedale getreten. Mehrmals die Woche, morgens, abends, auf mehrstündigen oder gar ganztägigen Events am Wochenende. Nie ging es mir so gut wie mit geschlossenen Augen in den treibenden Beats, weiter, weiter, immer nur weiter – treten, schwitzen, keuchen, eine Grenze nach der anderen überwinden und stundenlang den Rausch der Endorphine genießen.









