„Ein unplausibler Zählerstand, der nicht in Ihr Verbrauchsbild passt“ – das steht in einem Schreiben von November 2021 an die „sehr geehrte Dame“, in dem Fall ich, vom Netzbetreiber. Von dem hatte ich bislang außer im Zusammenhang mit nur schleppend eingerichteten Ladesäulen für E-Autos nichts gehört. Das war die bessere Zeit. Nicht für die E-Autos, aber für mich. Seit das Briefchen auftauchte, bin ich in einem Korsett aus Zählerständen, Hotline-Warteschleifen und ins Nichts führenden Verweisen gefangen.
Sehr oft bin ich umgezogen in meinem Leben. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, ich weiß nicht, der wievielte Umzug im Dezember 2020 abgewickelt wurde, in meine Wieder-Single-Wohnung, in der ich in den ersten Wochen ständig blaue Flecken hatte, weil ich überall dagegen gelaufen bin. Es fehlte die Weite der zuvor zu zweit bewohnten Behausungen. Zählerstände wurden abgelesen und übermittelt. Weil ich immer mal wieder überlegte, den Stromanbieter zu wechseln, weiß ich, dass die Daten im Strom-Kundenkonto beim Stromversorger korrekt hinterlegt waren. Zum Glück habe ich nicht gewechselt, sonst wäre jetzt vermutlich alles noch schlimmer.
Vielleicht ist der Netzbetreiber parallel ein Karnevalsverein und ich verstehe wieder irgendwas am rheinischen Humor nicht. Zunächst vermutete ich, der „unplausible Zählerstand“ beruhe auf der Tatsache, dass in der Wohnung vor mir eine ältere Dame nebst Pflegekraft und Hund gelebt hatte (ich frage mich bis heute, wie die es mit acht Beinen geschafft haben, sich nicht von früh bis spät auf den Füßen zu stehen. Ich stehe schon mir selbst im Weg, wenigstens sind die blauen Flecke weniger geworden) und eine vollzeitbeschäftigte Nicht-Homeofficerin natürlich viel, viel weniger Strom verbraucht. Nein, das war es nicht, wie sich nach einiger Korrespondenz herausstellte. Vielmehr war beim Netzbetreiber und auch beim Stromanbieter plötzlich ein Zählerstand für Dezember 2020 hinterlegt, der mit dem im November 2021 übermittelten zu einem Jahresverbrauch von ganzen 49 kWh geführt hatte. Das fanden die Netzleute „unplausibel“. Ich auch. Es entspricht nicht den verbrauchten 1.600 kWh.
Niemand weiß, woher der fehlerhafte Eintrag stammt, niemand will es gewesen sein. Zählerstände können vom Netzbetreiber und vom Stromversorger eingegeben werden. Der Netzbetreiber behauptet, er habe nichts eingegeben. Der Stromversorger behauptet, ich habe die Daten fehlerhaft angegeben – ich konnte zum Glück belegen, dass ich im Dezember 2020 alles korrekt übermittelt hatte. Es gibt von allen Seiten immer sehr lange Antworten, in denen nichts drin steht. Schon gar nicht etwas, das zur Klärung beitragen würde.
Der Stromversorger hat mir jetzt eine Jahresabrechnung über 49 kWh geschickt. Wenn ich nicht wüsste, dass die fehlenden 1.551 kWh irgendwann dann auftauchen und zuschlagen, wenn der Strom 2022 noch teurer geworden sein wird, wär´s mir wohl wurscht. Ein weiterer Nachteil ist, dass ich in diesem Datensalat weiterhin den Stromversorger nicht wechseln kann. Wer weiß, was sich dann für ein glühender Höllengraben auftut.
Es beunruhigt mich nicht unwesentlich, dass ein Unternehmen, das eine solch wichtige Rolle in der Infrastrukturversorgung spielt, ein derartiges Datenchaos verursacht und dann nichts zur Klärung beiträgt. Wo ist mein ursprünglich hinterlegter Zählerstand geblieben? Wieso kann man sowas einfach ändern, ohne dass der Kunde was davon mitkriegt? Was ändern die sonst noch? Wurde der Zählerstand jetzt woanders eingetragen, vielleicht bei dieser Melanie Hartmuth, an die generell im Job und Privatleben immer so viel Korrespondenz an mich adressiert ist, und diese arme Frau ist bei Anblick ihrer Stromrechnung mit 1.551 kWh zuviel tot umgefallen?
Ich fürchte, in meinen endlosen E-Mails und fruchtlosen Hotline-Gesprächen mit dem „Betreiber des Energieversorgungsnetzes, in dem sich Ihre Abnahmestelle befindet, und grundzuständigen Messstellenbetreiber“ werde ich es nicht herausfinden.
Für Stromsachen habe ich kein Händchen. Vor ein paar Jahren war ich damit konfrontiert, dass bei einem anderen Stromversorger tatsächlich zwei unterschiedliche Kundenkonten, von einer Melanie Harmuth in Koblenz und von der damaligen Melanie Harmuth in Bonn, zusammengelegt wurden. Mein Geburtsdatum wurde damals einfach durch das der Gleichnamigen ersetzt. Dafür wurde mir die Rechnung für unser beider kombinierten Verbrauch geschickt. Das war auch herrlich. Dafür, dass ich einfach nur mein Licht, meine Wasch- und Spülmaschine und die Durchlauferhitzer an- und ausschalten möchte und brav meine Rechnungen bezahle, kostet das unterm Strich zu viel Energie. Mich. Denn 49 kWh sind ja eher überschaubar.

Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.
Wie gut, dass Du gut Kommunikation kannst. Alles immer mit Namen notieren und Geduld haben…..meine Erfahrung. Irgendwann kommt der Durchblick….ich habe mal 4 Monate gebraucht…..aber ohne gute Kommunikation hätte es 4 Jahre gedauert…..l. G. Conny