Kurs Kraul Römisch Eins

„Wenn euch die Hand Gottes berührt, könnt ihr aufhören“. Es war mal wieder Freitag, also: Kraulkurs! Der Trainer überprüfte mit diesem Satz bei den rund zehn Kraullernwilligen, die wir sind, die Atemtechnik. In meiner grenzenlosen Naivität hatte ich bei Buchung des Kurses im Herbst angenommen, man lerne in einem Kraulkurs, der sich über fast zwei Monate hinzieht, im Schwimmerbecken das Schwimmen mit der Kraultechnik. Zumal man ja grundsätzlich schon schwimmen kann.

Stattdessen gucken meine Mitkraullinge und ich seit mehr als einem Monat wöchentlich sehnsuchtsvoll aufs schöne 50-Meter-Bahnen-Schwimmerbecken und steigen dann: ins hüfthohe Wasser des Lehrschwimmbeckens mit einem Schwimmbrett in der Hand. Seit einer Woche dürfen wir darin auch gehen, wir führen also die Kraul-Armbewegung wechselseitig aus, während wir mit Ausfallschritten durchs Becken stapfen. Bei mir führt das leider dazu, dass ich mich so auf die Beinbewegung konzentriere, mit Eindrehen, Ausdrehen, Knie rechter Winkel, Hüfte auskippen, dass ich die Armbewegung falsch mache. Nicht umsonst wird beim Kraulen denke ich mit den Füßen und Beinen nicht viel angestellt – damit man sich zu Beginn auf die Arme konzentrieren kann. Da kann man eben sehr viel falsch machen, wie ich auch bei jedem Schwimmbadbesuch in den Kölner Bädern feststelle, bei denen ich mich nach wie vor als Schnecken-Brustschwimmerin durchs Becken schiebe und mir meinen Weg zwischen den Assi-Testosteron-Baggerschaufel-Kraultypen freitrete. Kraulen kann ich ja noch nicht, und im Schwimmerbecken kann ich nicht gehen. Es inmitten der Irren einfach auszuprobieren traue ich mich nicht, weil dann sofort zwei der Turbo-Typen aus verschiedenen Richtungen in mich rein und über mich drüber schwimmen würden und ich folglich untergehen und ertrinken oder rumschreien müsste. Dazu habe ich keine Lust. Ich trete lieber weiter beim schönen Brustbeinschlag.

Beim letzten Kraulkurs habe ich eine Frau aus dem Kurs angesprochen, der vor unserem stattfindet. Wir sind Kurs Kraul Römisch Eins und vor uns ist immer ein anderer Kurs im Lehrschwimmbecken, ebenfalls mit Schwimmbrett und zu Fuß. Es stellte sich heraus, es handelt sich hierbei um den Kurs Kraul Römisch Zwei. Die Frau und ich waren beide sehr entsetzt. Sie war der Auffassung, in ihrem Kurs Römisch Zwei werde nur nicht geschwommen, weil nicht alle Teilnehmenden Römisch Eins durchlaufen hatten, und ich war der Auffassung, dass es in Römisch Zwei endlich ins Schwimmerbecken geht. Das passiert erst in Kurs Römisch Drei, wie die ebenfalls Kraul-Gehende, die aber immerhin schon die Rollwende beherrscht, zu berichten wusste. Nun weiß ich wenigstens, dass ich Römisch Zwei gar nicht erst buchen werde – und dass ich kurz vor Weihnachten, wenn mein Kurs zu Ende sein wird, wohl wenigstens in der Kraulbewegung mit den Armen rudern werde können.

Liebe Schwimmlehrende der Welt, wenn ihr dies lest, bitte meldet euch! Mein erster Vorsatz fürs neue Jahr steht fest: Nach Kraulen im Stehen und Gehen von Oktober bis Dezember möchte ich im Januar in der Lage sein, mich mit Kraulen schwimmend durchs Wasser zu bewegen! Ich sage jetzt schon herzlichen Dank!