„Ihr fragt euch, warum ihr hier seid? – Weil ihr es verdient habt!“, „Na, tun die Beine Scheiße-weh? Richtig so!“, „Maschiiiiiiiiiine!“, „Katja, ein Raster mehr rein, sonst fährt noch dein lahmer Bruder an dir vorbei“, „Widerstand!!!! Sehr geeeeiiiiillllll!“. Was das ist? Das ist Spinning. Und es hat mich wieder.
Im Schwimmbad Köln-Chorweiler gibt es einen Wal. Mitten im Nichtschwimmerbecken, groß, blau, lächelnd. Ich mochte den Wal direkt, als ich das erste Mal vor dem Becken stand, und wenn es sich während des Kraulkurses ergab, hockte ich mich auf seine schöne Flosse. Natürlich ergab es sich nicht so oft, denn man soll ja nicht hocken, sondern kraulen im Kraulkurs.
„Wenn euch die Hand Gottes berührt, könnt ihr aufhören“. Es war mal wieder Freitag, also: Kraulkurs! Der Trainer überprüfte mit diesem Satz bei den rund zehn Kraullernwilligen, die wir sind, die Atemtechnik. In meiner grenzenlosen Naivität hatte ich bei Buchung des Kurses im Herbst angenommen, man lerne in einem Kraulkurs, der sich über fast zwei Monate hinzieht, im Schwimmerbecken das Schwimmen mit der Kraultechnik. Zumal man ja grundsätzlich schon schwimmen kann.
Zehn Jahre lang bin ich wie eine Besessene auf dem Spinningrad in die Pedale getreten. Mehrmals die Woche, morgens, abends, auf mehrstündigen oder gar ganztägigen Events am Wochenende. Nie ging es mir so gut wie mit geschlossenen Augen in den treibenden Beats, weiter, weiter, immer nur weiter – treten, schwitzen, keuchen, eine Grenze nach der anderen überwinden und stundenlang den Rausch der Endorphine genießen.
Kaltkalt. Kaltkaltkaltkalt. Warum um alles in der Welt ist Wasser so kalt? Weil der Mensch da nicht reingehört? Aber wo gehört er schon hin? In die Lüfte? A propos: Einatmen. Überhaupt atmen. Einatmen. Ausatmen. Luft holen – und los! Der schönste Moment: unter Wasser abstoßen vom Beckenrand und laaaaaaange gleiten. Dann geht das Bahnengerangel los.




