Im Blutegelrausch

Jetzt also die Knie. Vor zwei Jahren hat mich der Fuß geplagt, und das war der Anfang einer großen Veränderung. Auf dem Fuße folgen die Knie. Um den Fuß zu schonen, trainiert man weniger, belastet weniger, latscht aber weiterhin ganzjährig durch Feld, Wald und Flur, unterfüttert und gepolstert durch dicke orthopädische Einlagen in den Wanderschuhen – und macht sich dennoch die Knie malad.

Weiterlesen →

Wien: das Herz in Flammen

Wien. Wie lange war ich nicht dort? Jedenfalls viel zu lange. Und jetzt nicht lange genug da. Mein Aufenthalt dauerte nur drei Tage. Die allerdings sind voller Gegensätze, vom Rammstein-Konzert im Ernst-Happel-Stadion mit 70.000 Menschen und dem furiosen Flammenspektakel mit gedärmdurchwalkenden Gitarren- und Bassgewummer, über Schloss Schönbrunner Glorietten-Café-Idylle bis hin zum Klavierflügel-Grab von Udo Jürgens auf dem Zentralfriedhof.

Weiterlesen →

Zug um Zug

Es kann manchmal wirklich eine große Herausforderung sein, mit der Deutschen Bahn überhaupt und dann auch noch in guter Verfassung irgendwo anzukommen. Meistens sind Verspätungen und verpasste Anschlüsse der Killer, aber diesmal geriet ich auf der Fahrt nach Berlin in einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum rund um meine Bahncard.

Weiterlesen →

Henrietta vom Walde

Die Wanderung setzt mir zu – das liegt an den hohen Gräsern. Das Stück auf dem Rheinsteig zwischen Osterspai und Kamp-Bornhofen, das heute Teil meiner Wanderstrecke ist, bin ich wohl schon 100.000 Mal gegangen – aber noch nie durch beständig dichten Graswuchs, der so hoch ist wie ich. Wer hat das sonst gemäht? Ist der Wegewart verstorben? Nase, Augen, alles läuft, und die Beine, die in einer kurzen Hose stecken, sehen aus wie Streuselkuchen, rot-weiß. Also wie weiter?, frage ich mich, als ich vor dem nächsten mit Gras zugewachsenen Abschnitt bergauf stehe.

Weiterlesen →

Verrucae. Ich werd verrückt

Vor ein paar Monaten fasste ich den Entschluss, eine sehr, sehr alte Warze, stolz residierend inmitten meiner linken Handinnenfläche, loszuwerden. Sie tat nicht weh, und wer sie nicht kannte, sah sie nicht. Sie machte nichts, außer unmerklich größer zu werden. Sie war einfach nur da. Sie war unauffällig hautfarben, wie Warzen so sind. Aber mich störte sie jetzt. Ich sah sie. Jeden Tag mehr.

Weiterlesen →

Neue Nachbarn oder: Thinking of Tippi Hedren

Ruuuuu. Ruguuuuu. Rugidiguuuuu. Es ist Samstag, ich sitze mit Struwwelhaaren, Strickjacke und Hafer-Cappuccino vor oder im Internet. Und wundere mich über diese Geräusche, die eindeutig vom Balkon hereindringen und mich nervös werden lassen. Ist das Geflatter auf meinem Balkon? Wieso ist dieses Gurren so nah?

Weiterlesen →

20 Jahre Leben

Studium, Reisen, Hochzeit, Scheidung, Umzüge, Jobwechsel, Freundschaften: Die letzten 20 Jahre meines Lebens waren, fein säuberlich in zahlreiche Outlook-Unterordner einsortiert, im E-Mail-Postfach archiviert und ich habe immer mal wieder, mal mehr, mal weniger nostalgisch und melancholisch, in meiner Vergangenheit herumgestromert und herumgelesen. Damit ist jetzt Schluss, denn die E-Mails sind weg.

Weiterlesen →

Die Schranke – reloaded

Den Post hatte ich schon mal veröffentlicht, dann aber wieder zurückgezogen. Jetzt also nochmal, online again, raus in die Welt, auf ein Neues. Die ins Auto krachende Schranke und meine vorangegangene Bewegungsunfähigkeit im dem Unfall geweihten Auto bei herannahendem Fernzug haben mich ziemlich mitgenommen. Jetzt ist das Auto in der Werkstatt, es bekommt ein neues Heck, Kim-Kardashian-mäßig voll im Trend, und auch ich habe mich seelisch soweit ausgedellt und frisch lackiert, dass der Artikel online bleiben kann.

Weiterlesen →

Vor verschlossener Tür

Es ist kurz vor elf am Dienstagabend. Der Mann vom Schlüsseldienst beginnt, mit einem Hammer auf mein Türschloss einzudreschen. In der Wohnung über mir schlagen die Hunde an. Meine Nerven liegen bereits seit anderthalb Stunden blank, als ich vor einem durchdrehenden Türschloss feststellte, ohne professionelle Einbruchshilfe nicht mehr in meine Wohnung zu kommen. Bis ein Uhr wird die Aktion dauern und außer mir alle Nachbarn in meiner Wohneinheit und die der beiden daneben liegenden wachhalten.

Weiterlesen →