Die Wanderung setzt mir zu – das liegt an den hohen Gräsern. Das Stück auf dem Rheinsteig zwischen Osterspai und Kamp-Bornhofen, das heute Teil meiner Wanderstrecke ist, bin ich wohl schon 100.000 Mal gegangen – aber noch nie durch beständig dichten Graswuchs, der so hoch ist wie ich. Wer hat das sonst gemäht? Ist der Wegewart verstorben? Nase, Augen, alles läuft, und die Beine, die in einer kurzen Hose stecken, sehen aus wie Streuselkuchen, rot-weiß. Also wie weiter?, frage ich mich, als ich vor dem nächsten mit Gras zugewachsenen Abschnitt bergauf stehe.
Der lange Corona-Winter war auch deshalb so lang, weil man sich zwar beim Wandern den Arsch abfrieren konnte, danach aber nirgends zum Aufwärmen einkehren oder gar übernachten. Stattdessen in zugigen Regionalbahnen frierend durchrütteln lassen auf dem weiten Weg zurück in die einsame Corona-Wohnung in der großen Stadt mit Ausgangssperre. Warm ist es zwar nach wie vor nicht, aber einkehren und übernachten geht wieder. Davon mache ich regen Gebrauch.
Der Weg – anderthalb Rheinsteig-Etappen von Rheinbrohl nach Rengsdorf – beginnt wie eine Szene aus dem Schlaraffenland: Von links, rechts…
Nach Jahren bin ich mal wieder auf dem Rheinsteig unterwegs. Ich hatte vergessen, wie sehr es auf diesem Dino der…


