Den Post hatte ich schon mal veröffentlicht, dann aber wieder zurückgezogen. Jetzt also nochmal, online again, raus in die Welt, auf ein Neues. Die ins Auto krachende Schranke und meine vorangegangene Bewegungsunfähigkeit im dem Unfall geweihten Auto bei herannahendem Fernzug haben mich ziemlich mitgenommen. Jetzt ist das Auto in der Werkstatt, es bekommt ein neues Heck, Kim-Kardashian-mäßig voll im Trend, und auch ich habe mich seelisch soweit ausgedellt und frisch lackiert, dass der Artikel online bleiben kann.
KRONK macht es. KRONK, und danach KRIIIIIIIK. Ich habe darauf gewartet, ich wusste, dass es so eintreten würde, habe geradezu buddhistisch auf das Geräusch gewartet, denn ich stand mit meinem Auto unter einer Bahnschranke. Die sich schloss. Vor mir Rückstau von der roten Ampel, hinter mir Bahngleise. Ungünstig.
So weit es irgendwie geht, fahre ich nach vorn, in der Hoffnung, dass die Schranke nicht allzu viel von meinem Auto und der Zug nicht irgendwas von meinem Auto erwischt. Auf die Idee auszusteigen, komme ich überhaupt nicht. Das finde ich im Nachhinein sehr bemerkenswert, es hätte ja sein können, dass der Zug das Auto hinten noch mitnimmt. Das Auto scheint so sehr zu mir zu gehören, dass Aussteigen gar keine Option ist. Ich komme auch nicht auf die Idee zu hupen. Ich füge mich einfach der fallenden Schranke.
Als ich so im Auto sitze und die Schranke ins Auto kracht, denke ich an die Waschanlage. Es ist ähnlich. Da kommt dann auch so ein Bügel von oben und von der Seite wuscheln die Bürsten heran, die bremsen halt nur alle irgendwann. Das macht die Schranke nicht. Die hat auch nicht so Textilpolster. Die klempert und plempert mit ihrem Metallgatter in mein Autodach und grumpelt dann an den Seiten und der Heckscheibe entlang.
Die Ampel wird grün, die Menschen in den Autos vor mir schaffen das, was sie zuvor nicht hinbekommen haben: Sie fahren alle ein Stück nach vorn. Ich fahre auf den Bürgersteig, um dann auszusteigen und zu schauen, wie das KRONK und das KRIIIIIIIIIK aussehen.
Die Schranke ist nach wie vor unten, deshalb kann der in der Gegenrichtung vor der Schranke wartende Lkw-Fahrer mansplainen. „Vorausschauendes Fahren!“ sagt er als Antwort auf meine Frage, ob ich wohl Zeugen für die Geschichte brauche. „Jaja, vorausschauend. Ich kam um die abknickende Vorfahrt, um die Ecke mit Hecke rum. Ich sah nix. Als die Ampel umsprang, stand ich schon auf den Gleisen. Ich konnte weder vor noch zurück, hinten ging die Schranke zu.“ – „Die haben die Schranke grade vor zwei Wochen neu gemacht.“ – „Die Schranke ist jetzt nicht mein Problem. Die sieht auch nicht kaputt aus. Mein Auto sieht kaputt aus.“ Ich mache Fotos. Vom Auto und von der Schranke. Mein Auto tut mir Leid. Das stand drei Jahre lang nur in einer Garage in der Eifel herum, und jetzt muss es mit mir so viel mitmachen. Die Schranke tut mir überhaupt nicht Leid. Aber vielleicht kommt ja noch jemand auf die Idee, sich für die Schranke einsetzen zu müssen. Die tadellos und makellos da angekommen ist, wo sie hingehört: auf dem Asphalt, ohne einen schwarzen Seat Ibiza dazwischen.
Der Mann von der Versicherungshotline fragt auch nach der Schranke. Mein Kopfkino ist eher an der Stelle, was passiert wäre, wenn ich es nicht mehr so weit nach vorne geschafft, das Auto erfasst worden wäre oder ich auf den Gleisen aus dem Auto hätte aussteigen und es gewissermaßen dem Zug opfern müssen. Oder ob ich dann auch ohne nachzudenken in meinem Auto sitzengeblieben wäre. Stattdessen interessieren sich hier heute Abend alle nur für diese Scheißschranke. Bahnübergänge werde ich künftig noch mehr hassen als ohnehin schon.
Würde ich jetzt, mit ein wenig Abstand, irgendetwas anders machen? Nein. Ich wüsste auch nicht was. Wenn die Ampel grün ist und die anderen Autos fahren, kann ich nicht einfach vor der Schranke stehenbleiben. Dann kracht mir nicht die Schranke, sondern ein anderes Fahrzeug hinten rein. Es gibt Situationen, die sind einfach nicht zu gewinnen. Leider weiß man vorher nicht, wann und was eine solche Situation sein wird.

Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.