„Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen“ – dieses Bonmot wird dem großen Herrn von Goethe zugeschrieben. Damit schmücken sich gerne wandernde Menschen: „Schon der Goethe hat ja gesagt: …“. Ob der dem Alkohol sehr zusprechende Herr von Goethe damit vielleicht nur Ecken seiner Wohnstatt gemeint haben könnte, die er torkelnd gerade noch erreichte? Jedenfalls wäre ich niemals, ob mit oder ohne Bonmot, wenn nicht zu Fuß, nach Kurtscheid gelangt, auf den dortigen Aussichtsturm gestiegen und fast Mitglied des ortsansässigen Karnevalsvereins geworden.
Tag 12. Mr. Corona ist verschnupft über den nicht angenommenen Heiratsantrag und verlässt mich endlich. Der Test zeigt wieder nur den Kontrollstreifen und sorgt für unermessliche Erleichterung. Leider zieht der Mitbewohner an eine unerwartete Stelle weiter.
Tag 9 in der Isolation mit Mr. Corona. Wir gehen den langen Weg zusammen, Selbst- und Schnelltest sind immer noch positiv, auch ein zweiter PCR-Test hat mich nicht befreit. Heute und morgen noch, dann sind zehn Tage um, dann sind die „Absonderung“, die Tests und ihre Ergebnisse egal.
Tag 6 der Corona-Isolation. Test immer noch positiv, neuer Topf Gemüsesuppe im Anbruch, wetter- und kältebedingte Rückkehr vom Balkon auf die Couch.
Me, myself and Mr. Corona. Der unerwünschte Mitbewohner ist hartnäckig, kostet Haare und Nerven. Aber wer die komplette Menschheit plagt, geht natürlich auch jedem Individuum gehörig auf den Keks.
Tag 4 mit Mr. Corona. Auf der Couch allein ist es mit der Kronenkugel nicht auszuhalten, also sitzen wir auch zusammen auf dem Balkon, räumen Schubladen aus und sortieren das Bücherregal um. Und essen wie angedroht Gemüsesuppe.
Tag 3 der Isolation. Es fühlt sich an wie Wochen. Mr. Corona, die olle Viruskugel, verbringt mindestens sieben Isolationstage mit mir auf meiner Couch. Von dort melden wir uns.
Mr. Corona hat mich gekriegt. Seit mehr als zwei Jahren mache ich brav jeden Mist mit, damit das nicht passiert. Jetzt hat die olle Viruskugel doch noch gewonnen und verbringt mindestens sieben Isolationstage mit mir auf meiner Couch. Von dort melden wir uns.
„Ihr fragt euch, warum ihr hier seid? – Weil ihr es verdient habt!“, „Na, tun die Beine Scheiße-weh? Richtig so!“, „Maschiiiiiiiiiine!“, „Katja, ein Raster mehr rein, sonst fährt noch dein lahmer Bruder an dir vorbei“, „Widerstand!!!! Sehr geeeeiiiiillllll!“. Was das ist? Das ist Spinning. Und es hat mich wieder.
Etwas Grün-Blondes lässt sich sonntagabends mir gegenüber auf den Sitz in der Straßenbahn plumpsen. Am Barbarossaplatz erklimmt das junge weibliche Wesen mühsam die steilen Stufen der Uralt-Jückelbahn (Barrierefreiheit braucht man in Kölle nicht; et hätt noch emmer jot jejange), fällt erschöpft auf den Plastiksitz, schließt die Augen und macht „Sssssssssss“.






