In Blumberg geht es zu Beginn der zweiten Etappe rutschig los: Gleich hinterm Dorf eine Schlammpiste abwärts zu den Schleifenbachwasserfällen. Die ganze Nacht hat es geregnet, aufgeweicht sind die Wege. Die Schuhe tauchen schmatzend ein in den Matsch und tun mir sehr Leid. Ich taufe den Schluchtensteig um in Mud Trail.
Das Highlight der Etappe ist die Wutachschlucht, in stetigem Auf in Ab geht es auf felsigen Pfaden an der Wutach entlang und immer wieder über Brücken. Eine davon ist der Kanadiersteg und man schaut von dort der Gauchach beim Einmünden in die Wutach zu. Meine Laune wird im Laufe des Tages so matschig wie der Weg. Schaue ich auf meine Regenhose und die treuen Lowas hinab, sehe ich Spuren wie von etwas, das ich mir als Sumpfdurchquerung vorstellen könnte.
In den Schluchten ist es feucht, dunkel, klamm und schattig und ich kann mir nicht vorstellen, dass man zu einem beliebigen Zeitpunkt im Jahr anders bei dieser Wanderung ausschauen sollte als ich gerade. Mud Trail halt.
Die Aussichten und lauschigen, rauschenden Plätze am Wasser sind immer wieder berückend schön, angesichts meiner angestrengten Konzentration auf den rutschigen Weg habe ich aber kaum Blicke oder Geduld dafür übrig.
Die dritte Etappe versöhnt mich. Der Weg ist und die Schuhe bleiben trocken, es geht durch den Wald, Felsen heißen klangvoll Räuberschlössle, rund um die Einmündungen verschiedener Zuflüsse in die Wutach, eine verwirrende Vielfalt von Rotach, Haslach und Gutach samt dazugehöriger Schluchten, ist es rauschig-lauschig schön. Es gibt sogar eine Einkehr, und die hat obendrein geöffnet! Ein herrliches Stück Schwarzwälder Kirschtorte krönt das Glück.
Mit dem sahnigen I-Tüpfelchen im Magen geht es stetig immer steiler werdend bergan. Die Torte wäre lieber im Tal geblieben, aber da müssen wir jetzt zusammen durch. Die Torte, ich und meine liebgewonnenen Mitwanderer aus Köln, zufällig zeitgleich mit mir coronabedingt auf dem Schluchtensteig gelandet und gestartet, erreichen den Etappenzielort Fischbach und fahren gleich mit dem Bus weiter runter zum schönen Schluchsee. Dort gibt es einen Seespaziergang, Schnaps und Abendessen, alles in Wandermontur und noch mit den schweren Stiefeln an den Füßen, weil mein Koffer zu spät bei der Etappenunterkunft ankam. Darauf noch einen Schnaps!
Alleine zu wandern, ist schon nach drei Tagen geselliger als gedacht. Dazu tragen auch Freunde aus Bonn bei, die zeitgleich mit mir im Schwarzwald unterwegs sind und einen Zwischenstopp mit Übernachtung am Ende meiner zweiten Etappe in der Schattenmühle einlegen. Da ist auch all der Matsch bald vergessen.
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| Brasilien? Schwarzwald! |
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| Wutach, Gutach, Haslach, eins mündet ins andere und führt zum anderen. Schön anzuschauen. |
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| Ein Dusch-Brokkoli! Die Schuhe a mess, ich am Schwitzen, also einfach rein! Herrlich. |
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| Wandern am Wasser geht auch gut ohne Schlammcruising |
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| Ein verfallendes Kapellchen. Dem Ort, zu dem es gehört, fallen hingegen Buchstaben weg. Es war mal Bad Boll, jetzt nur noch Boll. Ohne Bad. Und irgendwann auch ohne Kapellchen. |
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| Am Schluchsee |
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.