Unterwegs auf dem Schluchtensteig im Südschwarzwald. In Stühlingen geht es los, 119 Kilometer liegen vor mir, aufgeteilt auf sechs Tage. Also nicht so wild wie so manche Tour mit dem Mann in den letzten Monaten und mit Aussicht auf Freizeit am Nachmittag nach Ankunft – Zeit für Apérol Spritz oder Massage oder beides. Der Schluchtensteig ist Plan B für die ursprünglich geplante Pyrenäendurchquerung Teil 1 mit dem Alpenverein. Abgesagt. Also solo im Südschwarzwald statt tutti Transpirenaica.
Beim Umstieg in Tiengen ist die am anderen Ende des Ortes liegende Bushaltestelle für den Bus nach Stühlingen, dem Startort des Schluchtensteigs, zu finden. Dies bleibt vorerst, auch nach Abschluss der ersten Etappe, die größte Herausforderung.
Highlight der ersten Etappe, von Stühlingen nach Blumberg, sind die Wutachflühen, Felsen mit der rauschenden Wutach in der Tiefe. Ein enger Pfad, wegen des vorangegangenen Regens sehr rutschig, führt am Felsen entlang, über Stein und Baumwurzeln. Die Schweiz ist nicht weit, „Grüezi!“ grüßt der Gegenverkehr und es gibt den Luetzifelsen. Den Sackpfeiferdobel gibt es auch. Verglichen mit älteren Fotos im Internet ist dem Sackpfeifer die Puste ausgegangen: keine Wassermassen, sondern ein dürres Rinnsal plätschert den imposanten Felskessel hinab.
Nach dem dunklen, moosig-waldigen Wutachflühenpfad geht es hinaus ins Helle und hinauf zur Aussicht: auf den Bühl und später den Buchberg. Der Blick schweift weit, der Wind pfeift und die Wolken ziehen schnell.
Von der Sauschwänzlebahn, einer historischen Dampflok-Ausflugsbahn, sehe und höre ich entgegen der Beschreibung im Broschürchen nichts, nur den leeren Talbahnhof und eine Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Brücke. Die Bahnstrecke ringelt sich den Berg hinan – eben wie ein „Sauschwänzle“. Stattdessen sehe ich etwas anderes, massenhaft, das sich ebenfalls gemächlich bewegt: Schnecken. So viele wie lange nicht mehr. Hier im Südschwarzwald scheint es noch öfter zu regnen als in anderen Regionen der Republik. Dies merke ich später nochmal, auf dem letzten Wegstück der Etappe, vom Buchberg hinab nach Blumberg: Ich wate durch Schlamm, schlittere und rutsche mehr als zu gehen. Da wird der Schluchtensteig zur Rutschpartie. „Gell, unser Dreck isch arg oooooooohänglich!“, sagt eine alte Dame, der ich mit meinen wüsten Wanderstiefeln in der Hand im Hotel begegne und mir selbst vorkomme wie ein Sauschwänzle.
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| Blick vom Bühl |
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| Blick vom Buchberg |
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| Schloss Hohenlupfen oberhalb von Stühlingen. Und vom Jesus. |
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| Hasenskulptur vom ortsansässigen Künstler Christian Pflanzl in Stühlingen. Er möchte damit zum Ausdruck bringen: „Mensch, sei wachsam!“ Nix für Hasenfüße! |
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| Diese (Wein-)Bergschnecke möchte hoch hinaus! |
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| Sackpfeiferdobel ohne Wasser und Wumms |
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.





