Durch eine veritable Schlucht, die der Wehra – deren Quelle ich auf der vorangegangenen Etappe leider übersehen habe – geht es auf der sechsten und letzten Wanderung des Schluchtensteigs. Diese Etappe fühlt sich an wie die schönste der Woche. Vielleicht ist sie es auch.
Der Weg ist abwechslungsreich, die Wehraschlucht tief und die Blicke von den steilen Felswänden immer wieder beeindruckend. Das Wasser sprudelt und rauscht, mal nah, mal fern. Es ist sehr wenig los, es ist still, über Stunden bin ich allein. An einer Stelle stehe ich kurz nach dem Losgehen ratlos vor dem abgesperrten Weg, drei weitere stehen zur Wahl. Der Wanderweg ist wegen Forstarbeiten unbegehbar. Ich höre tatsächlich Sägen und Maschinen und nehme den Hinweis auf die Lebensgefahr ausnahmsweise ernst. Während ich überlege, auf gut Glück einen der zur Verfügung stehenden übrigen Wege zu nehmen oder zu warten, bis einer der Mitstreiter der Woche mit GPS-Ausstattung vorbeikommt, fährt ein weißer Kastenwagen vor und ein dynamischer, bezopfter Mann springt heraus. „Hier kommet die Schilder für die Umleitung, da komm i jo grad rechtzeitig! Rechts de Berg nauf, obe dann links!“ Gesagt, getan. Noch ein ganzes Stück und ein Dorf weiter höre ich das dumpfe Fallen der Bäume.
Irgendwann holt mich wieder der Belgier ein und später, bei einer längeren Pause, treffen wir auf die hinter uns gehenden Kölner. Dies ist im Laufe der Woche fast eine Tradition geworden.
Am Ende der Etappe und des Urlaubs in Wehr wird mir das Herz schwer. Wie immer nach ein paar Tagen des Draußengehens, der Bewegung im Grünen, mit Ruhe im Kopf und um mich herum. Es gibt die Beine, die wie ferngesteuert voranschreiten, es gibt den Atem, und ansonsten Vogelgezwitscher und Wald-Wasser-Rauschen. Der Schalter zurück Richtung Alltag ist eine große Hürde und es ist geradezu unvorstellbar, wieder von morgens bis abends in einem Bürokasten zu sitzen und ab und zu einen Blick auf die sich im Wind bewegenden Bäume vor dem Fenster zu werfen. Wie viel schöner ist es, unter ihnen herzugehen, dem Wind und dem Rauschen zu lauschen und ab und zu auf einem Bänkchen innezuhalten. Nichts im Sinn zu haben außer der Frage, ob man die Käsestulle jetzt oder später isst und ob es sich lohnt, die Jacke anzuziehen, weil man die ja kurz darauf beim Weitergehen eh wieder auszieht.
Abends zieht mir die Kölnerin eine Zecke aus dem Kopf, auch diese offensichtlich ein Wesen mit Interesse an Aussicht. Meine sind für den Schwarzwald erstmal vorbei – aber schon in wenigen Wochen geht es Gott sei Dank ins Kleinwalsertal.
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| Die Wehratalsperre kurz vor dem Zielort Wehr |
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| Immer wieder am, überm, beim Wasser der Wehra und ihrer Zuflüsschen |
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| Wallfahrtskirche in Todtmoos |
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.


