VW Golf IV Sondermodell Ocean ist die offizielle Bezeichnung für „das Golfi“, das seit zwölf (ich) beziehungsweise 15 Jahren (der Mann) zu unserem Leben gehörte. Gestern sagten wir Goodbye, Golfi. Der Jahresunterschied erklärt sich damit, dass ich den Mann bereits mit seinem treuen Gefährten kennengelernt hatte.
Seit der Mann und ich vor zwölf Jahren zusammenkamen, war der dunkelblaue Wagen dabei. Er war dabei, als wir in Sandy´s Beach Bar auf aufgeschüttetem Sand in Bonn-Oberkassel nach stundenlangem wildem Herumknutschen im Strandkorb in einen Regenguss kamen und der Mann mich mitsamt meinem Fahrrad in das Golfi lud und nach Hause brachte. Und mit dort blieb. Das Golfi auch. Wenige Monate später stand das Auto dann dauerhaft vor meiner Wohnung, weil der Mann bei mir eingezogen war.
Der Golf war bei den meisten Unternehmungen unserer großen Leidenschaften dabei: Wandern und Spinning. Nie ist er liegengeblieben. Immer ist er angesprungen. Unzählige Fahrten am Wochenende in die Eifel, ins Bergische Land, in den Westerwald, in den Hunsrück, um wandern zu gehen, entlegene Mehrzweckhallen oder auch mal einen Flugzeughangar in Den Haag für ein Spinningevent anzufahren. Für die großen Sommer-Wanderurlaube hat er den Mann und mich mit vollgepacktem Wandergerappels-Kofferraum in die Bayerischen Alpen, ins Allgäu, nach Österreich, nach Südtirol gebracht. Auch bei unserem Versuch, in der Provence das Rennradfahren zu üben, was dann nicht klappte, weil es die komplette Woche durchgeregnet hat, war das Golfi geduldig. Wir kauften einen Thule-Radständer mit Kofferraumaufhängung, schnallten die beiden Rennräder hinten auf den Wagen drauf, fuhren die elend lange Strecke in die Provence, wo die Räder dann nur im Verschlag herumstanden und wir mit Golf und zu Fuß Städtchen im Regen und das Gelände der magischen Burg des Marquis de Sade besichtigten. Dann ging es mit den aufgeschnallten Rädern wieder zurück ins Rheinland, ohne einen Meter damit gefahren zu sein. Hat der Golf alles tapfer mitgemacht. Er hat in Südtirol und an der Mosel auf unmöglich steilen Hangparkplätzen gestanden, über Nacht, dabei ab und an ein verloren gegangenes Parkhauskärtchen aus den Tiefen der Verkleidung ausgespuckt.
Bei einem Besuch meiner Familie vor einigen Jahren gab es Blitzeis und das Golfi war mit einer zentimeterdicken Eisschicht umhüllt. Vier Männer, der Mann, mein Vater, mein Bruder, mein Onkel, waren damit beschäftigt, den Eispanzer zu durchbrechen, damit wir zurückfahren konnten. Vor einem Umzug innerhalb Bonns holten wir Umzugskartons bei einem Kollegen ab, während das Golfi draußen stand, ritzte jemand „GmbH“ in die Motorhaube. Vielleicht ein Berufsschüler, der gerade gelernt hatte, dass es diese rechtliche Form einer Unternehmung in Deutschland gibt.
Nun gehört unser Golfi nicht mehr zu unserem, sondern zu einem anderen Leben: der Lebensgefährte einer Kollegin und Nachbarin hat ihn gestern gekauft. Kilometerstand zweihundertdreiundzwanzigtausend-siebenhundert-irgendwas. Die Wohnanlage, in der der Mann und ich leben, gehört meinem Arbeitgeber, so sind die Übergänge zwischen Berufs- und Privatleben oft fließend. Mein Fahrrad, das damals auch beim Date in Sandy`s Beach Bar dabei war, gehört jetzt einer anderen Nachbarin und Kollegin, ich sehe es oft vor ihrer Wohnung stehen. Auch der neue Parkplatz vom alten Golf liegt in Sichtweite: Wenn ich auf der Terrasse sitze, kann ich das Golfi sehen. Vielleicht blinkt es mir ab und zu, in einem unbeobachteten Moment, heimlich zu und erinnert mich an die vielen schönen Erlebnisse, die der Mann und ich diesem treuen Gefährt und Gefährten zu verdanken haben.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.
