Schön wäre es, ein Leben zu leben, das sich so anfühlt, wie das Wort „Luxuskarussell“ klingt: schwindelig-spindelig vor Geld einfach das machen, wonach der Sinn steht, ein- und aussteigen, hier und da was probieren, fröhlich weitergondeln. Leider ist das nicht mein Leben, deshalb geht es in diesem Text auch um etwas ganz Anderes. Profane Pötte sind das Thema und deren Zuhause im Zusammenhang mit mafiösen Küchenherstellermachenschaften.
Nach dem schönen Bergurlaub in Südtirol wartet gleich ganz viel abgründiger Alltag auf mich: Fußbodenheizung in der Wohnung kaputt und Topfkarussell in der Einbauküche kaputt. In beiden Fällen habe ich keinerlei Vorstellungsvermögen dafür, wie so etwas überhaupt den Geist aufgeben kann, aber da ich mittlerweile der festen Überzeugung bin, dass in meiner stör- und fehleranfälligen Singlewohnung Kobolde hausen – haben die Kobolde wohl einfach die zwei Wochen Urlaub der Bewohnerin genutzt und ganz in Ruhe Schaden angerichtet. Als ich vor zwei Jahren einzog, war erstmal tagelang der Elektriker in der Wohnung, um die völlig krude fehlverschalteten Leitungen neu zu belegen. Drückte man auf einen beliebigen Licht- oder Lüftungsschalter, war das wie Lottospielen. Irgendwas ging irgendwo in der Wohnung an oder aus, aber nicht das, was man damit anzusteuern glaubte. Kurz darauf gingen beide Durchlauferhitzer kaputt. An einem Wochenende natürlich. Ansonsten wurde eine Tür neu eingesetzt und dann nochmal ausgetauscht, weil sie sich einfach nicht schließen ließ, ich hatte monatelang mit einem Kleiderschrank-Lieferfehler zu kämpfen und tausend kleine und große Dinge mehr, die ich verdrängt habe. Vielleicht sollte ich mal eine Schamanin mit Räucherequipment in die Wohnung bestellen.
Nach dem aktuellen Koboldstreich ist also die Hütte kalt und das Topfkarussell geht 15 cm auf und blockiert dann. Es ist keinen Millimeter aus dieser Position zu bewegen und dementsprechend ist die Pfanne, in die ich die frisch gesammelten Pilze hauen will, unerreichbar. Da langes Wochenende ist, also erstmal keine Besserung in Sicht, zwinge ich mich zur Gewalt, schließlich bin ich ja schon der Kälte in der Wohnung ausgesetzt und schlottere, wenn ich aus der Dusche steige, und die Kobolde sollen nicht noch mehr zum Lachen haben. Pfanne ist also draußen, das Topfkarussell klebe ich anschließend zu, so lange, bis es jemand aus seiner Blockadehaltung befreien wird. Ich hoffe, dass ich mindestens einen Karussell-Kobold mit den verbliebenen Töpfen und Schüsseln eingesperrt habe.
Diesen „Jemand“ zum Reparieren zu finden, ist dann wieder gar nicht so einfach. Ich telefoniere mit diversen Küchenschreinern und -bauern (muss ich nicht gendern, alles Männer) und höre nur: „Datmussischmirjarnischangucken. Datkennisch. MachichjedenTag. Kaputt, Austausch. Vierhundert Euro Pauschale inklusive Anfahrt!“ – „Aber Sie wissen doch gar nicht, was an dem Ding kaputt ist! Vielleicht ist ja nur was rausgerutscht und man kann es reparieren!“ – „DannisdatindreiWochenwiederkaputt. Vierhundert Euro.“ Damit gebe ich mich nicht geschlagen. Zumal das Ersatzteil eben nicht das Teil wäre, das jetzt verbaut ist, bei dem sich die Türen mitdrehen und alles ganz von alleine, wie von Zauberhand gesteuert, sanft und leise durchläuft. Der Küchenhersteller setzt noch einen drauf, verkauft noch nicht mal das Innenleben des Eckschranks, also das defekte Karussell, als Einzelteil zum Austauschen, sondern ich müsste für ein Vermögen den kompletten Eckschrank der Einbauküche austauschen lassen. Es ist einfach nicht zu glauben, wie fies fest die kapitalistischen Daumenschrauben sitzen in unserem System.
Schließlich finde ich doch noch einen netten, hilfsbereiten Menschen vom Fach: den Peter, der damals die Küche auch für mich in die schadhafte Singlewohnung umgezogen und neu zusammengeschreinert hat. Nur hat Peter Corona und ich muss warten, bis sein Teststreifen wieder weg ist. Das kenne ich ja selbst aus leidvoller Erfahrung. Was macht der genesene Peter? Er legt sich auf den Boden, baut auseinander, setzt zusammen, fummelt und frickelt – und findet den Fehler. Den er mit einem Stück Blumendraht behebt. Mir kommen fast die Tränen. Ein Stück Blumendraht plus Stundensatz von Peter versus vierhundert Euro versus Vermögen für einen Küchenteilaustausch. Es kann schon sein, dass der Vierhundert-Euro-Mann recht hatte und der Blumendraht nicht lange hält und die Mechanik wieder blockiert. Aber dann, hat Peter mir versprochen, stöbert er sich durch den Baumarkt für passende Teile, mit denen er die defekte Stelle stärker fixieren kann. Zum Glück gibt es Menschen wie Peter. Und es müsste viel, viel mehr Peters in unserer Welt geben, dann wäre wirklich alles ein bisschen besser.

Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.