Leute, die Luft ist raus. Das Jahr ist fast zu Ende und ich bin es dieses Jahr auch, am Ende. Mehr als in den letzten Jahren. Schaue ich auf das Jahr 2018 zurück, sehe ich vor allem zwei Knie, ein linkes und ein rechtes. Nicht meine eigenen (falls die wegen zu viel Widerstand und zu viel Im-Stehen-Fahren beim Spinning auch irgendwann operiert werden müssen, weiß ich jetzt, was auf mich zukommt), sondern die vom Mann.
Eine OP im April, eine im November. Und dazwischen: keine Wochenendspaziergänge, keine Bergwanderungen. Dafür Duschhocker, Krücken unterschiedlichster Ausführung, eine Motorschiene in meiner Hälfte des Doppelbetts, Thrombosespritzen – ein Ausblick auf ein Alter mit Pflegebedarf. Weil ich die kniebedingte Zwangs-Unbewegtheit ganz schlecht ertragen konnte, war ich im September mit dem Alpenverein allein unterwegs. Das hat mich nicht nur bergwandermäßig, sondern auch urlaubsmäßig mit dem Jahr 2018 ein wenig versöhnt.
Der erste Urlaub im Jahr war nämlich eine große Enttäuschung: Ich verzweifelte an, mit und auf meinem Rennrad. Und habe es danach verkauft. Seither mache ich wieder mehr Spinning und bin glücklicher. Mein Cycling-Highlight 2018 war das Xpect-Event auf der Fähre in Bingen. Für Außenstehende und Nicht-Cycler ist es wohl schwer nachzuvollziehen, warum sich Menschen freiwillig stundenlang absolut schweißtreibend auf einem Rad abstrampeln, das sich keinen Meter bewegt. Und das nicht nur im Fitnessstudio, sondern auch auf ebenjener Bingener Fähre „Mary Roos“, in muffigen Mehrzweckhallen, soundtechnisch opulenten Operngebäuden, alten Industrieanlagen im Ruhrgebiet, im Bonner Post Tower, Konzertbunkern oder der Fitnessmesse FIBO. Aber Spinning ist eben nicht Radfahren, sondern Techno-Party mit Treten und Schweißtropfenteichen und führt zu derart erhebenden Gefühlen und Zuständen, wie man sie sonst wohl nur erreichen kann, wenn man Drogen nimmt. Da ich keine Drogen nehme, gehe ich zum Spinning. Aber es macht wohl auch ein bisschen süchtig.
Der traditionelle Sommer-Bergurlaub mit Mann fand (Knie!) diesmal nicht mit Wanderstiefeln, sondern mit E-Mountainbikes statt. Das hat Spaß gemacht, aber auch eher nur mir, der Mann war motzig, weil ich ihm oft davongebrettert bin. Vielleicht eine kleine, späte Rache für die Touren mit dem Rennrad, bei denen ich an Wegkreuzungen im hintersten Bergischen Land ratlos in leere Landschaften schaute – der Mann und das Navi waren kilometerweit voraus.
Nun bin ich gespannt, was 2019 bringt. Bergurlaube? Wochenendspaziergänge? Ich hoffe es. Für den Sommer ist nichts geplant. Vielleicht werden es doch wieder die E-Mountainbikes. Vielleicht mache ich mich wieder mit dem Alpenverein auf die Socken. Vielleicht… Oder… Drei von vier Kerzen brennen, die mich daran erinnern, dass es auch den Moment, die Muße und das Innehalten gibt, dass es vielleicht im Dezember kurz vor Weihnachten auch wirklich schnuppe ist, ob ich für Juli eine Bergtour in Slowenien, Südtirol oder sonstwo durchgeplant habe oder nicht. Ich versuch´s mal so. Mal sehen, ob ich durchhalte, bis die vierte Kerze brennt.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.