An einem kalten Winter-Sonntagnachmittag lockte meine nach der Knie-OP sehr klein gewordene Welt mit einem Stück Kuchen im Café des Schokoladenmuseums. Trotz Thrombosestrumpf, dieser gut verborgen unter den winterlichen Beinkleidern, saß es sich schön hinter der großen Glasfront am guten alten Vater Rhein. Während wir Schweinereien aus Sahne und Teig in uns reinschaufelten und üppige Milchschaumtürme in uns reinschlürften, raunte der Mann an meiner Seite Schweinereien anderer Art in mein Ohr. Eine äußerst genussvolle Kombi, die gleich in mehrfacher Hinsicht schöne Gefühle im Bauch machte.
Wir saßen, aßen und blickten schelmisch für eine ganze große Weile an unserem Tisch inmitten der Sonntagstouristen, dann schloss das Museum, im Café war letzte Runde und wir brachen auf. Vorher noch schnell die Getränke der letzten Stunden loswerden. Doch, oh Schreck, vor dem Eingang zum WC hatten sich zwei in Lindt-Uniformen steckende Mittzwanzigerinnen postiert, die in gelangweilt-nasalem Tonfall und mit adlerschwingengroßen Wimpern auf halbmast hängenden Lidern der alten Frau mit Harndrang zu verstehen gaben, dass die Toiletten pünktlich um 18 Uhr geschlossen würden. Ich trete von einem Bein aufs andere und starte eine von Beginn an frucht- und aussichtslose Diskussion darüber, dass die Toiletten nicht geschlossen werden können, so lange das Café noch geöffnet ist. Ich ernte einen blasierten Halbmast-Blick von den Lindt-Ladys mit ihren XL-Lashes, begleitet von einer unmotivierten Geste ins dunkle Draußen, mit dem Hinweis, dort befände sich eine öffentliche Toilette, die ich ja gleich nach Verlassen des Gebäudes aufsuchen könne.
Ich überlege kurz, von außen an die hübsche Glasfassade zu pinkeln und zwar so, dass alle von innen meinen Po bestaunen können, entscheide mich dann aber doch dagegen. Am nächsten Tag schreibe ich eine E-Mail an den Besucherservice des Schokoladenmuseums, dass die Öffnungszeiten von Café und Toilette doch irgendwie besser aufeinander abzustimmen seien und ich diesen der Notdurft nicht angemessenen dürftigen Umgang mit der Cafékundschaft ganz und gar nicht dem Anspruch der Marke Lindt genügend finde. Überraschenderweise bekomme ich sehr schnell eine Antwort mit einer Entschuldigung und der Ankündigung, mir zur Entschädigung ein Lindt-Schoko-Paket zuzusenden. Ich freue mich darauf, immerhin habe ich kniebedingt so schlechte Laune bis mindestens hoch zum Kinn, dass Schokolade zum Trost willkommen wäre.
Es kommt kein Paket. Ich warte ein paar Wochen, dann schreibe ich dem freundlichen Besucherservice, dass mich kein Schoko-Paket erreicht habe. Die Antwort folgt prompt, ah, ja, das käme leider oft vor, dass die Lindt-Pakete unterwegs verloren gingen, man gebe direkt ein zweites für mich auf und ich solle mich melden, ob das ankäme. Ich warte sehr geduldig und großzügig, doch keines der beiden angeblich an mich verschickten Pakete erreicht mich. Ich schreibe erneut. Direkt am nächsten Morgen ein Anruf. „Frau Harmuth, das gibt es doch nicht! Gerade sehe ich Ihre E-Mail, und hier steht das zweite an Sie versendete Paket, Empfänger nicht ermittelbar, vor mir auf dem Tisch.“ An so viel Zufälle glaube noch nicht einmal mehr ich und fühle mir einen riesigen Lindt-Schoko-Bären aufgebunden. So einen, den die Lindtianer ursprünglich Goldbär nannten, bis Haribo ihnen das untersagt hat. Zwei erfundene Pakete, und jetzt auch noch eine erfundene Unzustellbar-Rücksendung.
„Mit welchem Unternehmen haben Sie das Paket verschickt?“ – „Mit DHL.“ – „Hätten Sie jetzt DPD gesagt, hätte es mich nicht gewundert. Aber der Herr Röseler von DHL, der kennt jeden hier in der Wohnanlage, der bringt mir meine Pakete immer persönlich vorbei, niemals wäre ein DHL-Paket an mich von Herrn Röseler unzustellbar zurückgegangen.“ – „Aller guten Dinge sind drei! Ich schick jetzt einfach nochmal ein Paket an Sie raus“, sagt die Frau vom Besucherservice. Ich vermute, auch dieses dritte virtuelle Paket wird mich nicht erreichen. Und jetzt kann man das für erfunden halten oder für verrückt, aber während ich des Nachmittags diese Zeilen ins Melandertal tippte, schellte es an der Tür, es stand ein anderer DHL-Mann als Herr Röseler vor der Tür und überreichte mir: das Lindt-Schokopaket. Ob das erste, zweite oder dritte, weiß ich nicht, aber ich freue mich darüber. Es ist kein Goldbär drin.

Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.
Was eine süsse Geschichte. Lass Dir Dein Lindt Paket schmecken. Meine Enkel sind auch erst gestern zu ihren Lindthasen gekommen, weil der Vater, alle Lindthasen von Ostern aufgegessen hatte. Nachdem die Oma das mitbekommen hat, gab es ordentlich Druck und er hat gestern 5 neue Lindthasen gekauft. Bei der Vernichtung derselbigen wurde ein Videobeweis (für die Oma) erstellt….zeig ich Dir gerne bei Gelegenheit. Dir noch eine erholsame Zeit. L. G. Conny