„Dilettanto! werden sie rufen, die Italiener, dilettanto!“, deklamiert der Fahrradladenbesitzer, der mein Rennrad zur Inspektion für den geplanten Aktivurlaub in Norditalien im März annimmt. Ich denke: Wenn schon, werden sie „Dilettante!“ rufen, und das womit? Mit Recht! Denn ich will meine Ventilkappen drauflassen. Das geht g a r n i c h t unter Rennradfahrern. Gar, gar nicht. Die Kettenscheibe, die ich bislang auch eisern verteidigt habe, muss jetzt endgültig weg. „Mit diesem Ding dran verlässt dieses Rad meinen Laden nicht mehr!“ Ich gebe auf. Die ganze Aktion wird mich wieder 150 Euro kosten. Ich habe schon so viel Geld für dieses Rennrad investiert, bin aber in zweieinhalb Jahren so wenig damit gefahren, dass ich einen Kilometerkostenpunkt von ca. 55,80 Euro netto haben dürfte. Beim Ehemann ist es noch schlimmer, da der uns auch noch einen Thule-Radgepäckträger für den Golf spendiert hat, der bislang eigentlich nur im Keller steht. Da wir umgezogen sind, wenigstens in unterschiedlichen Kellern. Ich denke immer mal wieder darüber nach, meinen Wüstenfalken (das Rad heißt: Desert Falcon Pro) zu verkaufen. Aber aufs Leben gerechnet lohnt es sich bei den bisherigen Investitionen vermutlich mehr, das Ding auch bei Nichtnutzung einfach neben dem Radgepäckträger im Keller stehen zu lassen.
Dieses Jahr überliste ich mich also selbst und buche organisierte Rennradurlaube. Ein vor zwei Jahren in der Provence in Eigenregie in Angriff genommener fiel ins Wasser. Vor dem Trip im März habe ich Angst, weil nur verrückte Leistungsradler am Start sein werden, die mich also erstens wegen der Ventilkappen auslachen, zweitens abhängen und drittens als Frau sowieso nicht ernst nehmen werden. Im Gegensatz zu mir, die ich (aber nur bei gutem Wetter!) als Urlaubsvorbereitung im März beim RTF-Eröffnungstöurchen hier in Köln mitradeln werde, werden die anderen Reiseteilnehmer schon 5.000 Kilometer auf drei Kontinenten abgestrampelt haben. Bestimmt sind alle im Club der Verrückten (Les Cinglés du Ventoux), dem angehört, wer an einem Tag auf drei unterschiedlichen Routen hintereinander den legendären Mont Ventoux hochradelt. Wenn es richtig schlecht läuft, fühle ich mich wie im Mallorca-Urlaub, beim Wandern von Rennradschwärmen überrannt, nur dass ich diesmal dann nicht staunend am Straßenrand stehen, sondern mittendrin rumstrampeln werde. Der Reiseveranstalter heißt „quäldich“. Ja, so heißen die wohl nicht von ungefähr. Ich betrachte es – quäl dich, Harmuth – als eine Art Lebensprüfung, wie dieses Rennradprojekt insgesamt, das mir, bereits den Kauf mit teurer Nachrüstung eingeschlossen, schon viele eigenartige, aber auch einzigartige Erfahrungen beschert hat.
Bisherige Erlebnisse mit dem teuren Gefährt:
Rennrad, vom Trauma zum Flow – RTF
Mallorca, die Insel der Exzesse
Zweirädriges Weltraum-Insekt
Rasender Marquis statt Rennradfieber
Die schillernde Welt der Fahrradkette
Das erste Mal Rennradfahren
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| Wüstenfalken, den romantischen Rhein genießend. Die Besitzer, der Mann und ich, ebenfalls – allerdings nicht mehr auf dem Sattel, sondern hinter dem Kaltgetränk. |
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.

Liebe Melanie,
danke für diese amüsanten Zeilen. Du kannst beruhigt sein: bei uns wird dich keiner auslachen. Und da tatsächlich 8 Frauen bei der Reise dabei sind, wirst du dort auch keine Exotin sein.
Und Paul, der Guide der entspannten Gruppe, wird sich sicherlich so um dich kümmern, wie er es immer macht mit seinen Schäfchen: voller Begeisterung für Land, Leute & Rad und sicherlich nicht mit einem Messer zwischen den Zähnen.
Bis bald in Chiavari, dein
Jan von quaeldich.de
Hi Jan, gut, vielleicht habe ich Glück und es gibt weitere Ventilkappenhüterinnen 🙂 Ich bin in jedem Fall sehr gespannt. Dir erstmal viel Spaß in Südafrika, bis bald!