Die wilde Eifel

Der Touristikverein Monschauer Land wirbt mit dem Wildnis-Trail. In vier Etappen durch den Nationalpark Eifel. Das verfängt natürlich sofort beim Wandervogel Harmuth, ein Mitlatscher muss gefunden werden (in diesem Fall die beste Freundin), und schon ist das Wildnis-Trail-Arrangement für vier Tage mit wechselnden Unterkünften inklusive Gepäcktransport gebucht.

Vor dem Wald- und Wiesentrip wartet erst einmal der Blätterwald: In drei Sendungen schüttet der Touristikverein vor lauter Glück, dass jemand den Trail bucht, ein Füllhorn voller Papier mit sagen wir nicht besonders kompakt zusammengestellten Informationen über mir und meinem Briefkasten aus. Ein dicker Reiseführer ist auch dabei. Dicker als so mancher Alpen-Guide. Für vier Tage Nordeifel-Nationalpark? Es stellt sich heraus, dass im Reiseführer jeder zweite Baum, jede dritte Blume und absolut jede bei einem Sturm der letzten 20 Jahre entstandene Brachfläche ausführlichst dokumentiert wird nebst einer botanisch-naturgeschichtlichen Herleitung der letzten Jahrmillionen. Auf dem Wildnis-Trail selbst weiß man dann, warum: Es gibt nicht so schrecklich viel am Wegesrand, der Weg ist anders als der Name vermuten lässt über weite Strecken nicht wild im Sinne von abenteuerlich oder pfadig – da ist man froh um jeden Baum und jede Blume. Unterhaltungswert haben auch die entlang des Trails aufgestellten Schautafeln mit großer Überschrift: „Was ist hier los?“ Jedes Mal steht man davor, schaut auf den öden Forstwirtschaftsweg, an dem die Tafel steht, auf die Landschaft hinter der Schautafel und denkt: „Absolut nichts!“ Die Schautafel möchte einen vom Gegenteil überzeugen und geht ähnlich vor wie der überfüllte Reiseführer (vielleicht haben Schautafeln und Reiseführer auch denselben Urheber).

Mit der Freundin und mir unterwegs ist ein Männerduo, aha, sind wir also doch nicht die einzigen Wildnis-Trailer der Saison. Das Männerduo sieht zu einem sehr frühen Stadium sehr verschwitzt aus und ist am Ende der ersten Etappe wirklich am Ende. Unterwegs tauchen die beiden auf wundersame Weise nach dem Hase-und-Igel-Prinzip immer wieder vor uns auf Bänkchen auf und behaupten felsenfest, selbstverständlich nicht abgekürzt zu haben. Wir schaden mit unserem sportlich-dynamischen Auftritt der männlichen Eitelkeit. Am Ende der zweiten Etappe ignorieren uns die beiden Jungs beim Abendessen komplett – vermutlich wollen sie nicht über den Tag sprechen, bot dieser doch Transportmöglichkeiten per Schiff und Bus. Am dritten Tag fassen sich die Herren wieder ein Herz, als sie uns vor dem Kloster, der Unterwegseinkehr, begegnen. Heute können sie auch offen darüber sprechen, dass sie praktisch gar nicht gelaufen, sondern nur Bus gefahren sind. Unser Wirt dieser Etappe wird uns am Abend erzählen, dass die beiden am Nachmittag bei ihm aufgeschlagen und hastig mit dem Taxi abgereist seien. Wir bleiben.

Vielleicht feilen die Wildnis-Trailer noch ein bisschen an ihrer Wegeführung – der Eifelsteig ist definitiv der wildere, landschaftlich abwechslungsreichere Wanderweg. Die schönste Etappe des Wildnis-Trails ist deckungsgleich mit einer Eifelsteig-Etappe (Einruhr-Gemünd), ansonsten sind die Anteile von Forstwirtschaftswegen an der Strecke sehr hoch. Die Wildkatze jedenfalls, die dem Trail Pate für die Wegemarkierung gestanden hat, wird man auf diesen von Monsterwaldmaschinen zerfahrenen oder als Radweg dienenden Straßen nicht antreffen.

Der Rursee in der Nordeifel. Ihm begegnet man immer wieder auf dem Wildnis-Trail. Am schönsten ist die zweite Etappe, die entlang des Rursees führt.

Geschafft! Nach vier Tagen und 85 Kilometern gibt es am Endpunkt des Wildnis-Trails die Finisher-Urkunde und ein Biberfoto.

2 Gedanken zu “Die wilde Eifel”

  1. Liebe Mellie, ausgezeichnet! Ich habe 1. seit langem beim Lesen nicht mehr so viel Spaß gehabt und 2. noch nie (jedenfalls erinnere ich mich nicht) einen Blog komplett bis zum Ende gelesen. Hoffentlich gehst Du bald wieder wandern! LG Sabine

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