Wenn eine eine Reise bucht…

… dann kann sie was erleben! Reisen suchen, Reisen buchen – übernehme in der Regel ich, und der Mann überweist mir die Hälfte, reicht Urlaub ein und fährt mit. Seit Jahren ist das so, und seit Jahren ärgere ich mich über den Sexismus der Reiseunternehmen in Deutschland. Ich trage mich bei der Buchung zuerst ins Formular ein, ich stehe im Bezahlfeld – und immer, wenn die Reisebestätigung kommt, ist alles anders, lande ich unter ferner liefen. Die Daten werden jedes Mal umsortiert; an erster Stelle steht dann der Mann, ich werde meist zur „Mitreisenden“ degradiert, obwohl ich mich um den ganzen Mist gekümmert und ihn erstmal bezahlt habe. Noch nicht mal eine alphabetische Logik kann man heranziehen, denn mein Nachname „H“ kommt definitiv vor des Mannes „S“. Jahn Reisen haben neulich den Vogel abgeschossen, weil zur dortigen Buchung auch ein Mietwagen gehört, der selbstverständlich (als ob Frauen Auto fahren könnten) dem Mann zugeordnet wurde, da taucht mein Name dann erst gar nicht mehr auf. Liebe deutsche Reiseunternehmen! Es ist im Jahr 2016 so, dass Frauen in der Gesellschaft andere Funktionen übernehmen als nur die der Ehefrau, wie ihr das vielleicht immernoch annehmt. Sie brauchen normalerweise dank eigenem Führerschein auch keinen Typen mehr, der mit großer Geste kleine Autos unsicher über fremdländische Straßen steuert, sondern machen das mit weniger Brimborium selbst. Der Häuptling sagt, wo es lang- und hingeht, zückt die dicken Geldbündel, die Frau schmiert ein paar Stullen, schlüpft in den Plisseerock, nochmal kurz unter die Trockenhaube und kommt mit – da seid ihr irgendwie stehengeblieben, ihr Trottel aus der Tourismusbranche. Heute verdienen Frauen ihr eigenes Geld, zum Glück ist das so, und sind auch in der Beziehung mehr als einfach nur die „Begleitperson“ oder „Mitreisende“ (das sind wirklich Zitate!). Ich gehe zwar davon aus, dass sehr viele der Menschen, die die Reisebuchungen bearbeiten, Frauen sind und verstehe es deshalb gleich zweimal nicht, warum sie so massiv in den Buchungsunterlagen diskriminiert werden. Mit einem weiteren Auswuchs der vermeintlichen deutschen Urlaubsnorm ist übrigens mein Bruder konfrontiert. Er hat drei Söhne und findet über die Buchungsportale der großen Reiseanbieter zum Stichwort „Familienurlaub“ keine Angebote. Familie bedeutet für deutsche Reiseunternehmen zwei Erwachsene und ein oder zwei Einheiten Nachwuchs. Meist gibt es noch nicht einmal mehr andere Auswahloptionen und das Brüderchen muss für seine Fünfer-Familie Extra- und Sonder-Anfragen starten. Tja. Immerhin besteht für die drei Jungs Hoffnung, dass sie, wenn sie etwas älter sein werden, immer die Reisebuchungen anführen werden. Die Reiseindustrie braucht bestimmt noch ein, zwei Generationen, um sich auf dieses moderne Frauenzeug umzustellen.

Für Reiseunternehmen nicht vorstellbar: Frau in der Ferne, womöglich die Reise noch eigenständig gebucht und bezahlt.
Soooooo! Da ist die Welt doch noch in Ordnung. Es gibt einen Kerl. Der ist dann auch Reiseteilnehmer Nummer eins!