Welcome to the jungle

Das erste Mal 2017 tat wieder weh. Schreck! Wer ist das? Sind das Menschen oder sind das Aliens? Nur operierte Gesichter. Operierte Brüste. Operierte alles, vielleicht im Falle von Marc Terenzi auch operierte Sixpackmuskeln. UndbeiseineAussprakeikmeineheyseriousmanehrlikvielleiktmaybe
aukoperierteStimmerrrrhhhStimmyouknowwherethevoicecomesfrom!Right? Namen im Vorspann, die ich noch nie gelesen, von denen ich noch nie gehört habe. Doch, kurz zuvor: Bei der wie immer von der Bild geleakten Liste der D- bis Z-Promis, die sich dieses Jahr in das RTL Dschungelcamp verirrt haben. Wie jedes Jahr bin ich zunächst erstaunt darüber, wer oder was sich heutzutage alles als „prominent“ bezeichnen darf respektive wen oder was RTL dafür hält – immerhin gibt es dieses Jahr je nach Promifaktor variierende Bezahlung von 40.000 (Kader Loth, Fräulein Menke) bis 180.000 Euro (Gina-Lisa Lohfink) – und auch darüber, dass ich wie in den Vorjahren wieder süchtig und bewegungsunfähig wie ein pennender Koalabär vor der Dschungelglotze hänge. Aber spätestens am dritten Tag sind diese anfänglichen Fremdeleien verflogen. Sympathisierungen treten auf, ich kann Leute leiden, andere nicht, fiebere bei den Dschungelprüfungen mit, lache mich schlapp über Sonja Zietlows und Daniel Hartwigs Bissigkeiten, male mir aus, ich hätte auch so einen Gagschreiber, mit dessen Hilfe ich jeden Tag stilistisch-zynisch formvollendet Gemeinheiten um mich herum durchmoderieren könnte. Habe ich leider nicht. Dieses Jahr habe ich beim Dschungelcampgucken gelernt: Marc Terenzi spricht wie der König der Lemuren aus „Madagaskar“ und ich werde den Verdacht nicht los, er hat entweder a) dem Viech seine Synchronstimme geliehen oder b) sich anhand dieser Animationsfilmfigur selbst das Deutschsprechen beigebracht. KäänÄhnung! ist jetzt einer meiner Lieblingssätze, und auch High Class! ist hoch im Kurs bei der Harmuth. Alles ist High Class. Wobei wir dieses Attribut nicht Marc Terenzi, dem Dschungelkönig, sondern Florian Wees zu verdanken haben. Florian – wer? Fast heißt er sogar so. Ein Ex-Toyboy von angeblich, ach, wie hieß der noch gleich, ist doch auch egal. Florian hat jedenfalls Angst vor Spinnen (so wie ich!), wird deshalb in den Prüfungen oft den Achtbeinern ausgesetzt (gemein!) und verzweifelt fast an seiner schlechten Prüfungsperformance. Er strengt sich immer so an, hält alles aus und hat dann einfach Pech. Eine echte Prüfungspechsträhne. Nur bei seiner allerletzten Prüfung, bei der ums Abendessen am Finale-Tag, da holt er alle fünf Sterne und sein Ego ist wiederhergestellt und meins auch. Sogar Spinnen waren wieder dabei! Marc Terenzi hat im Dschungel angeblich seine Arachnophobie überwunden (KäänÄhnung! HabkeinÄngstmehrvorSpinne,butvordeutscheWorten!), traut sich aber doch nicht, eine zu essen (youknow,ikessekeinlebendeanimals!). Beim Dschungelcamp kann man außerdem wie damals im Studienseminar nachvollziehen, wie durch Schnitt von Bildern Stimmungen hergestellt, bewusste Missverständnisse und Spannungen im Handlungsstrang beim Zuschauer aufgebaut werden können, ohne dass es solche Situationen oder überhaupt eine Handlung gegeben hätte. Schneidet man die Bilder anders, entsteht ein anderer Eindruck und der Zuschauer zieht andere Schlüsse. Darunter hatte der als Telekom-Werbemaskottchen bekannt gewordene, dickliche Markus Majewski zu leiden (immerhin 80.000 Euro Gage), der als komplett irrwitziger Psychopath geschnitten wurde, als so eine Art Wiedergänger von Klaus Kinski. Trotzdem glaube ich jetzt, dass der Majewski ein Volldurchgeknallter ist. Andere Zuschauer auch, immerhin wurde er zügig rausgewählt. Drohte ständig, Anwalt, ich mach dich fertig und so, das will im Dschungel offenbar keiner sehen. Lieber die Grenzen, an die Menschen geraten, wenn sie mit einem Haufen anderer unter freiem Himmel eingepfercht werden, abgespeist mit 70 Gramm Reis und 70 Gramm Bohnen am Tag und pro begradigter Nase. Um dem zu entgehen und Extras auf den Teller zu bekommen, haben sich in früheren Jahren die Leute bei der Dschungelprüfung echt angestrengt. Die haben sich überwunden, gekämpft, alles gegeben. Letztes Jahr schon und dieses Jahr noch öfter musste man sehr oft hören: „Nee. Leute, sorry, das geht nich. Mach ich nich, tut mir Leid.“ Abgang. Erinnert stark ans Arbeitsleben, wo es den vielbeschworenen, magisch beraunten Teamgeist auch nie gegeben hat. Diese Haltung hat sich nun im Dschungelcamp auch endgültig durchgesetzt. „Nee, sorry, echt, ich hab immernoch Bronchitis“, hüstelhüstel, sagte jedes Mal, vor jeder Aufgabe, der „Honey“ Alexander Keen (unglaubliche 75.000 Euro für diesen Größenwahnsinnigen, der, außer mit GNTM 2016-Gewinnerin Kim zusammen gewesen zu sein, nix kann), von Sonja Zietlow deshalb immer „unser Bronchichi“ genannt. Ja, ohne diese illustren Figuren und die noch illustreren Zusammenschnitte der RTL-Fernsehmenschen sind meine Abende wieder aufregungslos geworden. Und kurz. Ich kann wieder früher ins Bett, weil ich keinen gelangweilten Menschen im Freien bei ihren (vermeintlichen) Intrigen mehr zuschauen muss. Bald isses wieder Zeit für GNTM, aber das kommt nicht so oft und der Anfang mit diesen gefühlt tausend Tussis ist immer sehr schlimm, das hält sogar Trash TV-Queen Harmuth nicht aus. Und der Jorge (Chicas, machen wir Catwalk!) fehlt mir da als irrlichternde Stilettogestalt seit ein paar Staffeln. Wer weiß, vielleicht taucht Jorge ja 2018 im Dschungelcamp auf. KäänÄhnung, das wäre echt High Class!

Leider keine Dschungelkrone.