Es könnte Realitätsflucht sein. Oder eine Form von Infantilität. Was auch immer es ist: Ich bin nicht allein damit. Das Phänomen ist in Deutschland weitverbreitet: die Liebe zu Animationsfilmen. In den für das Jahr 2016 ermittelten Kinocharts führen „Zoomania“, „Pets“ und „Findet Dorie“ das Ranking an. Ich habe alle drei Filme im Kino gesehen, ich glaube, sogar in dieser Reihenfolge. Bei jedem dieser Filme musste ich sehr laut und Tränen lachen. Oft waren der Mann und ich (denn wir haben ja 2016 noch mehr Animationsfilme als die Top-3 geschaut, „Sing“ beispielsweise, „Kung Fu Panda 3“, „Robinson Crusoe“, von 2015 ganz zu schweigen, das führte jetzt zu weit, „Hotel Transsilvanien 2“, „Minions“, „Alles steht Kopf“, undsoweiter undsofort) umringt von nur halb so großen Menschen wie wir. Und immer haben diese halb so großen Menschen nach Kindern in unserer Begleitung Ausschau gehalten (und ihre Eltern auch). Vermutlich nehmen viele Erwachsenen zur Tarnung ihre Kinder mit ins Kino. Ich mache das manchmal auch, mit meinem Neffen. Der hat sich bei den gemeinsam geschauten Animationsfilmen aber nicht halb so gut amüsiert wie ich, also sind es wahrscheinlich doch einfach Filme mit der Zielgruppe Erwachsene. Mit den Figuren im Film kann ich mich so herrlich identifizieren (zum Beispiel mit dem Kaninchen Judy Hopps aus Zoomania, das mit Antritt seines Polizeidienstes viel zu klein ist für die ganzen, auf die großen Büffel und Nashörner ausgelegten Möbel und Gerätschaften. So fühle ich mich im Berufsleben inmitten der geschlossenen Herrenriege manchmal auch), es steckt so viel Wahrheit drin (die zwischen Männern und Frauen nie funktionierende Kommunikation, simuliert durch zwei unterschiedliche Hirn-Schaltzentralen in „Alles steht Kopf“ – in ihrem Gehirn wird schnell ein alter Film vom brasilianischen Ex-Lover eingespielt, wenn es brenzlig wird, bei ihm läuft Dauerfußball) und noch das feinste Detail im letzten Bildpixel ist mit liebevollen, subtilen Gags und Querverweisen geschmückt. Filme mit echten Menschen machen einfach nicht halb so viel Spaß. Ich freu mich schon auf „Ich – einfach unverbesserlich Teil 3“. Wer nochmal den Trailer mit Judy Hopps und dem Faultier auf der Meldebehörde sehen möchte: hier entlang.
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| Kleine Judy, großes Vergnügen. Bild: Zootopia/Disney |
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.
