Vom Goldbären zum Goldanzug

„Ach, der jetzt auch.“ – „Dass der das nötig hat.“ – „Versteh ich auch nicht. Der Tommy.“ Das waren von Kopfschütteln begleitete Mittagspausengespräche mit Kollegen im Dezember 2016. Ganz Köln plus Umland waren großflächig zugepflastert mit Plakaten, die mit dem Konterfei von Thomas Gottschalk für die Eröffnung des ersten Segmüller Möbelmarkts im Rheinland warben. An jeder Straßenbahnhaltestelle, auf jeder Werbefläche an den Verkehrsadern, von überallher glitzerte Gottschalk im goldenen Anzug und grüßte mit dem Sektkelch. Ich war enttäuscht. Seitdem ich im Frottee-Schlafanzug samstagabends illustren Gästen beim Haribo-Essen auf der Wetten-dass-Couch zugesehen und den Chauvi-Witzen vom goldgelockten Moderator gelauscht hatte, fand ich den einfach gut. Bis heute. Die Autobiografie Herbstblond und einen Gastauftritt beim drogenentwöhnenden Stuckrad-Barre inklusive. Und jetzt der Niedergang, gleich bis ganz nach unten an den Bodensatz der Werbung durchgerauscht mit Möbelhauseröffnungspropaganda.

Seit heute ist meine Welt wieder in Ordnung. Denn ich habe in einem DWDL-Interview gelesen, wie es zu dieser Plakataktion für die Pulheimer Möbelbude kam. Der Gottschalk war den seine BR-Hörfunksendung sponsernden Segmüllers einen Gefallen schuldig:

Haben Sie damit gerechnet, welche hohen Wellen ihre Entscheidung für einen Werbevertrag für ein Möbelhaus im Rheinland schlägt?
Ich habe keinen Vertrag mit einem „Möbelhaus im Rheinland“ gemacht, sondern die Leute vom Segmüller waren bereit, eine Classic-Rock-Sendung im Bayerischen Rundfunk zu sponsorn, die es sonst nicht gegeben hätte. Die sind genauso bayerisch wie ich. Als sie gesehen haben, wie teuer mein Flug ist, haben sie mich gefragt, ob ich ihnen auch bei ihrem Einstand im Rheinland helfe. Klar, hab ich gesagt, denen zeigen wir’s.
Aber es ist doch ein bekanntes Klischee: Der Star von früher, der heute Möbelhäuser eröffnet. Sie haben da definitiv eine Steilvorlage gegeben.
Ich habe zwar kein Möbelhaus eröffnet, aber möchte an dieser Stelle mal feststellen: Wer entscheidet eigentlich, dass Ikea cool ist und Segmüller nicht. Ich habe vor vierzig Jahren meinen Job beim Eröffnen von Möbelhäusern und in Provinz-Discos gelernt. Dort habe ich das Publikum getroffen, für das ich auch heute noch antrete. Eine Möbelhaus-Eröffnung ist eine größere Herausforderung als das Abschreiten eines roten Teppichs.

Nun kann man sich zwar fragen und ich frage mich auch, warum der in Malibu residierende Moderator seinen Flug nicht einfach selbst bezahlt hat, aber wer weiß. Vielleicht machen sich doch die jetzt an Bully Herbig weggefallenen Haribo-Werbeeinnahmen bemerkbar. Falls die Segmüllers weiter auf außerbajuvarischem Gebiet expandieren, zieht der Tommy bestimmt gern wieder den goldenen Glitzeranzug an.

Von der Millionenshow zum Möbelhaus – ein weiter Weg. Von Malibu nach Pulheim – noch weiter.  Wie es dazu kam, wurde mir jetzt endlich erklärt. Foto: moebelkultur.de