„Vorsicht, wachsamer Nachbar!“ ist an Hauseingängen und Garagentoren immer öfter zu lesen, vornehmlich im Ländlichen wie der Eifel oder dem Bergischen, aber auch in wohlhabenden Kölner Wohngebieten ist mir das Hinweisschild schon begegnet. Als Einbrecherschreck gedacht, mache ich mit dem Sinnspruch unter Nachbarn nur anderweitige Erfahrungen: In der Bonner Wohnung über Jahre vom verrückten Messie-Müllsammler zutiefst in der Privatsphäre belästigt, der auch meinte, er täte Gutes in seinem Wahn, begegnet mir das Phänomen in der Kölner Wohnung nun umgekehrt: Am Ostermontag stand eine der alleinstehenden älteren Damen, die die hiesige Wohnanlage altersmäßig durch- und jetzt wohl auch aufmischen, vor der Tür. Zum Glück war ich im Bad, deshalb verhindert und der Mann musste sich den vorgebrachten Schwachsinn anhören. Die Nachbarin von ein paar Etagen drüber (nicht nur baulich, auch wahnsinnstechnisch) setzte dem Männe auseinander, sie fühle sich von uns überwacht. Seit wir eingezogen seien, würden ihr Telefonanschluss und die Internetleitung überwacht und da müsse es ja wohl einen Zusammenhang geben! Wir würden sie abhören und hätten außerdem veranlasst, dass jemand sich vom Balkon übergeben und die Hauswand beschmutzt habe! Sie müsse das jetzt mal ansprechen! Ich weiß wirklich nicht, wie ich reagiert hätte, wenn ich nicht unter der Dusche, sondern leibhaftig vor der Irren gestanden hätte. Vielleicht hätte ich einfach die Tür zugemacht. Oder angefangen, irgendwas zu singen. Der Mann jedenfalls versuchte es mit Sachlichkeit und Argumenten. Das hat schon bei unserem Bonner Müllverrückten nie was gebracht. (Der übrigens auch immer mal wieder unseren armen Kater Mucki, Gott hab ihn selig, eingesperrt hat.) Den gordischen Knoten an der Wohnungstür durchbrochen hat letztlich die Auskunft des Mannes, wir interessierten uns nen Scheiß für die Belange der Nachbarin. Darauf reagierte sie sehr erleichtert. Ich hoffe sehr, dass es das war und sich der Überwachungswahn nicht zu neuen irrlichternden, entgrenzten Nachbarschaftsverrücktheiten entwickelt.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.