Der Mann und ich suchen sporadisch nach Wohneigentum. Eine Zeitlang betrieben wir dies sehr intensiv, vor allem wegen unseres irren, besessenen Mülltrennnachbarn. Mittlerweile nur noch ab und an, weil die Immobilienpreise sich in surreale Zonen katapultiert haben. Da helfen auch niedrige Zinsen nichts, wenn man sich gefühlt bis in die dritte Generation verschuldet für einen unrenovierten Schuppen im Bonner Umland.
Eine der Wohnungen, die wir uns zwischendurch angeschaut haben, ist aufgrund einer besonders schrillen Verordnung der Eigentümergemeinschaft in Erinnerung geblieben. Verkauft wurde die Wohnung von der Eigentümerin nach Tod ihres Gatten, eines Elektrikers. Der erste Schreck ereilte uns, als dieser in der Wohnung noch wirksame (soll man sagen: sein Unwesen treibende?) Elektrikergeist uns beim Beschreiten des dunklen Badezimmers erstens Licht und zweitens laute Volksmusik bescherte. „Ach ja“, rief die Eigentümerin aus dem Flur, „das hätte ich vielleicht sagen sollen: Mein Mann hat im Badezimmer eine Lichtschranke verbaut. Wenn man da reingeht, gehen automatisch das Licht und das Radio an.“ „Äh, auch nachts?“ „Ja, natürlich.“ Kurzes Gedankenspiel, dass man künftig beim nächtlichen Toilettengang hinterher immer Herzrasen und deshalb langfristig schwere Schlafstörungen haben wird.
Küche. „Sehen Sie hier, das hat mein Mann auch so eingerichtet, jede Schranktür, die Sie in der Küche öffnen, schaltet automatisch das Licht im jeweiligen Schrank an. Das ist sehr praktisch.“ Kurzes Gedankenspiel an die künftige Stromrechnung, für die man unter diesen Umständen vermutlich gleich einen gesonderten Kredit mit beantragen kann. „Kann man das irgendwie ändern?“ „Ich wüsste nicht wie, hat alles mein Mann gemacht, und nur der wusste, wo die Kabel und Schaltkreise liegen.“ Man müsste also für viel Geld einen Elektriker den ganzen Mist rausreißen und neu anlegen lassen. Mit Schrecken nimmt man beim Verlassen der Küche noch armdicke Stromkabel in der Wand zum Badezimmer wahr. Der eigentliche Höhepunkt wartet aber im Keller auf uns. Der Trockenraum wird gezeigt. Der Mann fragt: „Gibt es hier besondere Regeln?“ Ich werfe ihm einen missbilligenden Blick zu. Was ist das denn für eine Frage? Aber er hat den richtigen Riecher. „Ach so, ja, gut, dass Sie fragen. Also, der zu Ihrer Wohnung gehörende Waschtag wäre der Mittwoch.“ Konsternierte Gesichter beim Mann und mir. Sprachlosigkeit. „Sie können immer mittwochs waschen und Ihre Wäsche zum Trocknen aufhängen; bis Donnerstagmorgen 9 Uhr muss die dann wieder abgehängt worden sein, für die Wohnung, die donnerstags Waschtag hat.“
Ich kann mich nur mit Mühe zusammenreißen und stelle fest, dass ich angesichts der Tatsache, dass zwei Vollzeitbeschäftigte, die ständig Sport treiben und deshalb Berge von Wäsche produzieren, wohl auf Teilzeit wechseln muss, um mittwochs Zeit für die Wäsche zu haben. „Ja, also, wenn das für Sie so nicht geht, müssten Sie das natürlich mit der Eigentümergemeinschaft verhandeln.“ Nein, das möchte ich nicht. Nicht verhandeln, nicht neu verkabeln und auch die ganze Wohnung möchte ich nicht. Und wieso muss ich bei solchen Erlebnissen immer an das Dritte Reich und Blockwarte denken?
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.