Table, turn me on!

Halb zerlegte Möbel und zunehmende Kartondichte prägen die Wohnung. Viele Möbelstücke sind schon verkauft oder verschenkt, darunter ein treuer, kleiner schwarzer Tisch. Dessen Aufgabe war es in den letzten Jahren, Devotionalien einer Verheirateten zu tragen: gerahmtes Foto vom Verlobungsrosenstrauß, Silberschälchen von der verstorbenen Oma, Kerzen. Nun wohnt der Tisch bei Iris. Sie hatte sich den als Buch- oder Teetassenablage für gemütliche Stunden gedacht, der Tisch hätte sich also nutzungsmäßig und in seiner Zielgruppe nicht groß umstellen müssen. Dann kam alles anders. Iris´ zwanzigjährige Tochter zog zurück zu ihr, nahm das Tischzimmer in Beschlag und dem Tisch eröffnet sich seither ein völlig neues Dasein: „Vom Tisch zum Altar“, schreibt Iris, „auf ihm thronen die Reliquien der Tochter: Bilder von Justin Bieber, ein ergattertes Stück eines Rippshirts eines mir unbekannten Musikers, Make-up-Fläschchen, Parfümflakon, die Pille, Schminke farbenfroher Natur. Wie das Tischchen dieses Dasein findet, ist nicht überliefert.“ Ich glaube, ich habe den Tisch eher gelangweilt und er findet seine neue Aufgabe richtig spannend. Table, turn me on! Yeah! Action auf der Platte!

Erst Rosenstrauß, dann Rippshirt: ein Beistelltisch orientiert sich neu.