Szenen ausm Brauhaus: Der Hund ist dagegen

Seit Langem bin ich mal wieder in der Kölschkneipe um die Ecke. Das hat damit zu tun, dass ich großen Hunger habe und der Rheinauhafen-Biergarten sowie zwei Italiener auf dem Weg zurück nach Hause wegen Regen und/oder Betriebsferien zu haben. Die Kölschkneipe ist die letzte Anlaufstelle und es ist dort so unterhaltsam wie eh und je, dass ich mich wie jedes Mal frage, warum ich nicht öfter hingehe.

Am Nebentisch nimmt ein Mittvierziger Platz, kahler Schädel, Vollbart, tätowiert. Wie man heute so ausschaut. Er wartet. Vielleicht ein Date? Zehn Minuten später kommt eine deutlich jüngere Frau mit sehr langen sehr blonden Haaren sehr abgehetzt und mit einem sehr alten Hund an der Leine hereingerauscht. Der Hund sieht offensichtlich sehr schlecht, ich muss kurz an die Szene aus „Und dann kam Polly“ denken, in der Jennifer Aniston das Frettchen hinter sich her gegen alle möglichen Hindernisse zieht. Ob das arme Tier auf dem Weg hierhin auch schon gegen Laternen und Gastronomiebestuhlung gescheppert ist? Aktuell lässt er sich an der Leine um den Tisch herumschleifen.

Frauchen erzählt, sie habe die Kneipe nicht gefunden, einige Runden gedreht (noch mehr Laternen und Stühle für den armen Hund), müsse nun sehr dringend zur Toilette und drückt dem Tattoo-Mann die Leine in die Hand. Der Hund fängt an zu kläffen. Als die Besitzerin zurückkehrt, sagt sie, „toller erster Eindruck“ und „Der ist schon so alt, das glaubst du gar nicht“. Der Hund robbt sich fortan seitwärts in Rückenlage sehr zum Amusement der umliegenden Tische quer durch den Raum und gibt stakkatohaft nach jeder Ruck-Robb-Bewegung ein zufriedenes „krkrkrkrrrrrmmmmhhhh“ von sich. Frauchen und der Tattoo-Mann beschließen, nach draußen umzuziehen. Sie muss erstmal den weggerobbten Hund aus der Kneipenecke ziehen. Ich verschlucke mich fast an meinem Apfelpfannkuchen, weil ich das Lachen über diesen Hund, der so alt ist wie Methusalem und dem die Abendgestaltung oder der Tattoo-Mann oder beides so überhaupt nicht zusagen, kaum unterdrücken kann. Ich nippe schnell am Weißwein, aber das macht es auch nicht besser. Also kichere ich ein wenig vor mich hin. Als Mittvierzigerin, die sonntagabends allein in kölschen Eckkneipen herumhängt und Weißwein trinkt, hat man vermutlich eh keinen Ruf zu verlieren.

Vom Tisch draußen, den ich frontal wie im Theater von meinem Apfelpfannkuchen-Tisch aus beobachten kann, ist lautes Hundegebell zu vernehmen. Methusi kriegt sich gar nicht mehr ein. Die beiden Damen am Tisch zu meiner Rechten fachsimpeln währenddessen darüber, ob es sich bei den sehr langen sehr blonden Haaren des Frauchens wohl um Extensions handele und ob diese eigens anlässlich des Dates angebracht worden seien.
Die Frau, an der die echten oder unechten blonden Haare und der Hund an der Leine hängen, entfernt sich mit selbigem. Vielleicht versucht sie ihn ein Stück weiter zu beruhigen. Draußen beugen sich vom Nebentisch zwei vom Leben (und Alkohol) gezeichnete Herrschaften zum zurückgebliebenen Tattoo-Mann herüber und scheinen Tipps für ihn parat zu haben. Es ist nicht auszumachen, ob den Umgang mit Hunden oder den mit Frauen betreffend. Ich zahle und kichere auf dem kurzen Nachhauseweg über den kuriosen Hund vor mich hin. Ich sollte wirklich öfter in die Kölschkneipe gehen. Aus „Szenen ausm Brauhaus“ könnte was werden.

Hier handelt es sich um einen Beispielhund. Das Foto stammt von einer Eifelwanderung, der Hund „Rudi“ gehörte zur Üdersdorfer Mühle.