Böhmi brutzelt? Harmi häckselt!

Bratpfannen-Palaver und Kochtopf-Gelaber: eine Kochsendung also. Jan Böhmermann tritt jetzt nicht nur mit seiner charakteristischen hochgezogenen Augenbraue, sondern auch mit einer zugeknoteten Kochschürze vor die Kamera und fürs ZDF am Herd an. Der Mann, der sich als intellektuell-smarter Republikverstörer verstanden wissen möchte, versucht sich jetzt an Sauce Hollandaise und Zimtschnecken. Warum? Braucht er Geld? Findet das ZDF, es müsste den auch nicht mehr ganz jungen oder sogar mittelalten Jan Böhmermann für ZDF-kompatiblere, also ältere, Zielgruppen, herrichten und seine Auftritte mit Petersilie dekorieren?

Tim Mälzer, Tim Raue und Steffen Henssler hauen schon länger Lebensmittel oder einander oder B-Promis in die Pfanne, jagen sich mit Kochrezepten um die Welt oder lassen sich grillen. Ganz so viel Action mutet sich der Schöngeist, der zudem mit Rezepten für Partyfood, Nudelsalat oder Pizza in seiner Sendung nun nicht gerade echte Kochkompetenz zeigt, doch nicht zu. Gäste werden geladen und deren Rezeptvorschläge zubereitet. Und nebenher so viel Belangloses gelabert, dass das Basilikum im Topf welkt. Welche Zutat hat im deutschen Fernsehen noch gefehlt, um Böhmermann brutzelnd – die Sendung heißt: „Böhmi brutzelt“ – auf den Bildschirm zu schicken?

Johann Lafer, Horst Lichter und Alfred Biolek glänzten mit echten, zumindest im Falle der ersten beiden sogar professionellen, Kochkenntnissen, bei ihnen war der Begriff „Fernsehkoch“ immerhin zutreffend. Allerdings haben dann, wahrscheinlich auf Bioleks Erfolg schielend, auch schon Johannes B. Kerner und Markus Lanz für Kochshows den Kochlöffel und hohle Reden geschwungen. Das Rezept mit dauerquasselnden Herren vor der Kamera scheint so sicher zu gelingen wie die Himbeer-Charlotte, mit der Herr Lafer seine TV-Karriere in den 1980er Jahren eröffnete. Aber auch 2021 mit „Böhmi brutzelt“? Vielleicht ist das Ganze auch einer während einem der Lockdowns entstandenen Idee geschuldet, da war ja alles irgendwie homie, cosy und so und Kochen war plötzlich der sprichwörtlich heiße Scheiß, weil das Leben ja nichts anderes mehr an Beschäftigung oder Betätigung bereithielt. Vielleicht hat da der Herr Böhmi selbst oder jemand vom ZDF beim Anrühren von irgendwas oder beim Rausholen von Verbranntem aus dem Backofen gedacht: Mensch, Böhmi brutzelt, das isses!

Ich finde, bei der heiligen Bratpfanne, es hat das sinnlose Topfgeklapper und Nebenhergeplapper nicht wirklich gebraucht. Aber das gilt generell für vieles im deutschen Fernsehen. Es braucht den Butter verquirlenden Oberzyniker nicht, dem Jürgen von der Lippe von der Seite was über sein Sexualleben zuraunt, dem der umfängliche Bauch nie geschadet habe. Nicht brauchen würde es allerdings und definitiv auch „Harmi häckselt“. Gibt es ja auch nicht. Aber – hätte ich mir einen Ruf im Zusammenhang mit Sodomie speziell mit zotteligen Ziegen hart erarbeitet – dann würde ich nicht brutzeln, sondern häckseln. Man darf da etwas härter zupacken, finde ich, wenn man mit so gar nicht zimperlichen Witzen eine Staatskrise ausgelöst hat. Da dürfen größere Maschinen als ein Rührgerät im Einsatz sein. Harmi häckselt: Mit schwerem Landschaftsgärtner-Gerät würde ich PS-stark und vor allem laut dröhnend in die Auffahrten oder Vorgärten, je nachdem auch Privatparks, von B- bis Z-Promis vorfahren. Nicht den Schneebesen, sondern Gartenhandschuhe und Gummistiefel anlegen. Und dann ginge es los in der Sendung: Die Bäume da, die hat der dritte Ehemann pflanzen lassen. Der ist Geschichte, zwischenzeitlich ist Ehemann Nummer fünf aktuell, die Bäume stören. Schlechtes Karma, jedes Mal, wenn man aus dem Fenster guckt. Kriselt schon mit Nummer fünf, erste Kupfernägel wurden schon in die Bäume getrieben. Kein Problem für „Harmi häckselt“: Weg damit! Fällen, entrinden, häckseln, fertig! Kommt in zwei Monaten sonst eh der Borkenkäfer, nützt ja alles nix. Oder auch Rhododendron-Rabatten. Rhododendron ist einer der Loser des Jahres, jetzt schon, weil überall zu lesen war, dass er leider, leider, ebenso wie der Kirschlorbeer, jetzt gehasst werden muss. Die Insekten fliegen ihn nicht an, der Rhododendron ist nutzlos, eine Schande und in unseren Breitengraden jetzt lebensunwürdig. Aber das macht doch nichts: „Harmi häckselt“, die ganze Rhododendron-Randgartenlage kurz und klein, kein Problem! Ersatzweise schütten wir dann ordentlich Steine auf, wie man das jetzt so macht. Wer braucht schon Grün, wenn man Grau haben kann! Also ordentlich Folie über dem Boden verspannt, Schotter drauf, fertig ist der Traumgarten 2021! I-Tüpfelchen, das würde dann bei Harmi häckselt die Redaktion noch extra spendieren, sind griechische Ton-Amphoren, die auf dem Steinschotterboden liegen, mit kontrastfarbigen – Steinen! – gefüllt und flächig von diesen umgeben sind und so dekorativ die Sinne betören. Herrlich. Das hätten duftende Rosenstöcke in dieser Eleganz und Klasse ohnehin nicht geschafft. Eine ganze Harmi häckselt-Stein-Amphoren-Serie ließe sich als Marketing-Spin-Off der Sendung gewinnbringend über eine Baumarktkette oder Ralf Dümmel vermarkten. Also, falls ein Sender Interesse hat, bitte unbedingt melden! Ich bin oft genug in der Eifel oder in anderen ländlichen Regionen unterwegs, um in Sachen Gartenvernichtung und Steinwüste stets auf der Höhe der Zeit häckselnd tätig werden zu können. Zimtschnecken aufs Backblech schnörkeln sollen andere.

Einfach herrlich. Ein ganzer Häcksel-Haufen, wo mal Ginster-Rabatten standen. Von diesem Werk zweier Herren in der Eifel, auf der anderen Geländeseite noch in der Stufe davor wild fällend und sägend tätig, könnte sich die Sendung „Harmi häckselt“ mal noch eine (Ast-)Scheibe abschneiden. Mindestens.