Navid Kermani, der aktuelle Vorzeige-Intellektuelle der aufgeklärten Bundesrepublik par excellence, dem vor einiger Zeit der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wurde und der eine sehr ergreifende Rede vor dem Bundestag gehalten hat, im Spiegel-Interview (4/2016, S. 119):
„Ich bin eigentlich ein Alte-Schule-Kulturpessimist. Ich habe das Gefühl, dass ich im Alter immer reaktionärer denke. Zu einem muffelnden Alten, der diese neuen Medien nicht mag und immer nur sagt, dass früher alles besser gewesen und die Jugend so unpolitisch sei. Ich fürchte auch, dass Schriftsteller so wohl sein müssen, weil sie qua Beruf dafür zuständig sind, die Verluste zu markieren. Schriftsteller haben in der Regel kein rechtes Sensorium für das Neue, sie stehen ganz am Ende des Zugs und schreiben auf, was wir hinter uns lassen.“
Herr Kermani kommt übrigens aus Siegen, das macht ihn sympathisch. Wer Siegen kennt – zu meiner Studienzeit dort, um die Jahrtausendwende, war die Postkarte populär: „Was ist schlimmer als Verlieren? Siegen!“ – weiß, aus welcher Muffigkeit man sich dort herausbewegen muss, um zu glänzen und zu scheinen. Das schafft man nur mit Charakter und Größe. Selbstverständlich hat Herrn Kermanis Erfolg und Popularität eine ganz bestimmte Auszeichnung geboostet: Er war in den letzten Jahren einer der Preisträger des von der Generali Deutschland, meinem letzten Arbeitgeber, unterstützten „Kölner Kulturpreises“.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.