„Mansche Frauen provozieren et auch.“ – „Ja, wirklisch.“ – „Stimmt.“ Drei Menschen mittleren Alters in Jogginghosen und Motorradjacken, zwei davon Frauen, aus einer, sagen wir: sehr tiefergelegten Gesellschaftsschicht, unterhalten sich in der Straßenbahn. Alle drei haben Stimmen, für die man im Tonstudio einen Haufen Effekte bemühen oder als Schauspieler lange üben müsste. Tiefdunkelst, verraucht, versoffen. Ihr Thema: Frauen schlagen. „Also, manschmal schadet dat ja auch nich. Isch mein, so ne Ohrfeige oder n bisschen schütteln, das schad´ ja nich. Muss se ja nich krankenhausreif prügeln.“ – „Ja, stimmt.“ – „Rischtisch.“
Ich frage mich zurzeit angesichts der emotional völlig nach rechts eskalierenden Lage im Land zur Zuwanderung oft, wo ich eigentlich lebe, was das hier, in einer der bestentwickelten Nationen der Welt, alles für ungebildete Höhlenbewohner sind, die zum Glück nicht mehr mit der Keule unterwegs sind – und ich frage es mich angesichts solcher in der Öffentlichkeit geführten Dialoge einmal mehr. Hilfe. Hatte spontan die Idee, nach Vancouver auszuwandern. Aber der Mann hat in einem Kanada-Rückkehrer-Forum gelesen, dass die meisten zurückgekommen sind, weil die Kanadier so borniert und fremdenfeindlich sind. Vielleicht hört man dort in öffentlichen Verkehrsmitteln dann Dialoge darüber, in Analogie zum obigen, dass es doch gar nicht so schlimm sei, eine Frau einem Bären vorzuwerfen. Muss sie ja nicht gleich ganz auffressen, aber so ne abbe Hand oder ein abbes Bein, „das schad´ ja nich“.
Zur Bebilderung Schilderquatsch aus Köln (sowas machen bestimmt nicht Teenager, sondern Mittdreißiger-Junggesellenabschiede):
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.