Notizen aus Bali: Tax and happy travel

Es fällt mir oft schwer, an das Gute im Menschen zu glauben und mich darauf zu verlassen. Vor allem, wenn ich in der Rolle der Reisenden außerhalb Europas unterwegs bin. Da fühle ich mich oft als Geldbeutel auf zwei Beinen und bin nicht glücklich damit. Ganz die Beamtentochter, versuche ich deshalb stets, möglichem Unbill durch Beschaffen von Informationen und Einleitung entsprechender Aktionen beherzt vorzubeugen. (Der missglückte Versuch, frühzeitig an ein Bali-Visum zu kommen, passt auch in diese Reihe.) In diesem Fall geht es um die Ausreisesteuer, die Touristen zu bezahlen haben, wenn sie Bali verlassen. Man hat zwar schon fürs Visum bei der Einreise bezahlt, aber bevor man wieder ans andere Ende der Welt entschwindet, kann man als Tourist schließlich auch noch mal ein paar Euro dalassen. Ich fand heraus, dass wir die Ausreisesteuer nicht bezahlen müssen, weil sie an einen Stichtag gebunden ist. Nur vor diesem Datum ausgestellte Flugtickets werden mit der Steuer belastet. Dreimal gecheckt, beim Reiseveranstalter nachgefragt, nein, wir müssen die Steuer nicht bezahlen. Also am Abreisetag locker ohne Bargeld an den Check-in-Schalter am Flughafen geschlappt. „Madam, you have to pay tax.“ – „No, I don´t.“ – „Madam, you have to pay tax.“ – „No, I don´t.“ – Umständliches Hantieren mit Ausdrucken, Verweis auf Ticket-Ausstelldaten, die Rücksprache mit dem Reiseveranstalter etc. – „OK. Madam, you don´t have to pay tax, but your husband has to.“ Nein, auch keine Steuer für den husband, weil, siehe Ticket-Ausstelldaten, Rücksprache mit Reiseveranstalter etc. „OK. I will have to check this. Please wait.“ Das haben wir dann getan, gewartet. Ausgiebigst. Eine dreiviertel Stunde lang. Es hat sich gelohnt, wir mussten die Steuer nicht bezahlen. (So werde ich mir mein stures Sternzeichen-Stier-Verhalten in diesem Leben nicht mehr abgewöhnen können!) Interessant waren die diversen Konsequenzen. Zum einen hatten wir weder Gepäckaufkleber für unsere Koffer auf dem Boarding Pass und im Umsteigeflugzeug 20 Reihen auseinanderliegende Sitzplätze (wir konnten dann trotz gestresster Stewardessen mit milde gestimmten Mitreisenden Plätze tauschen; allerdings ging so das auf meinen Ursprungsplatz gebuchte vegetarische Menü verloren – vermutlich hat sich die Person auf 54C ein bisschen gewundert) und zum anderen hat unsere Steuerverweigerung dazu geführt, dass andere Reiseteilnehmer ihre am Schalter bereits bezahlte Ausreisesteuer wieder zurückhaben wollten. Was sogar funktioniert hat.