Madonna-Mania und Panini-Papst

Unsere Welt ist, nun ja, weltlich. Diese Woche gingen die Tickets für die Madonna-Tournee in den Vorverkauf. Sie tritt im November in Köln auf. Nach wenigen Stunden gab es schon nur noch Tickets für 200 Euro aufwärts. Der Papst ist durchaus günstiger zu haben: Am Mittwoch kam die erste Ausgabe der neuen, laut publizierendem Panini-Verlag auf Frauen ab 40 zugeschnittenen Zeitschrift „Mein Papst“ an den Kiosk. Einsachtzich nur und ebenso nach wenigen Stunden vergriffen. Zumindest am Kölner Hauptbahnhof.

Ob es was damit zu tun hat, dass Köln eine Katholikenhochburg ist? Oder einfach mit der Titelstory über den „Panini-Papst“ vom Kölner Stadtanzeiger? Der (ansonsten für Klebebildchen-Sammelalben bekannte) Verlag ist jedenfalls mit einer Startauflage von 250.000 Exemplaren sehr optimistisch, dass auch außerhalb der Einzugsgebiete der Erzbistümer großzügig von popenfixierten Postillenleserinnen zugegriffen wird. Und was gibt es nun im Papst-Blättchen? Ungewollt Amüsantes. Bescheidenheit wird unserem Franziskus attestiert, weil er nicht in die pompöse päpstliche Residenz Einzug gehalten hat. Dass die jahrhundertealten handgeschnitzten Edelholz-Antiquitäten, die auf den Fotos zu sehen sind, auch nicht gerade die Durchschnitts-Ikea-Möblierung repräsentieren, fällt nicht weiter ins Gewicht. Der Papst wird beim Mittagessen gezeigt. Fläschchen Rotwein dabei. Gut, vielleicht grade beim letzten Abendmahl übriggeblieben. Jetzt, da Ostern nicht fern ist, wird der jährliche Kreuzzug in Rom erklärt, „um über die Probleme der Welt nachzudenken.“ Textauszug: „In Jesus erkennen wir mit einem Hauch von Zärtlichkeit jeden Nächsten, der des Trostes bedarf. Er wird so zum schmerzvollen Stöhnen all derer, die heute kein Mitleid erfahren dürfen.“ Jetzt bin ich zugegebenermaßen nicht besonders bibelfest, aber dass Jesus zum Stöhnen wird, ist mir neu.

Vielleicht ist das auch modern; meine kirchliche Karriere endete ungefähr mit meiner Konfirmation im Alter von 13 Jahren. Noch vor Erreichen der Heftmitte ist offenbar nicht mehr so viel über Franziskus zu sagen, denn dann geht es plötzlich um ein Festmahl für den Vorgänger-Papst Benedikt im Jahr 2008. Er wird beim Torte-Anschneiden gezeigt. Die Torte hat die Form einer Papstmütze, haha! Dann scheint die Redaktion davon auszugehen, dass die Aufmerksamkeitsspanne der geneigten Leserin ihren Zenit bereits überschritten hat, es folgen nämlich Bildstrecken: Rezepte, der Papst-Starschnitt (zwei Poster mit Sinnsprüchen zum Herausnehmen), Rom-Postkarten („Ihr Geschenk!“) und „Pontifex privat“: Lieblingsbild, Lieblingsauto, Lieblingsbuch. Hat sich Panini vertan und meint Leserinnen ab 14? Vielleicht. Passt auch wieder zu den Klebebildchen. Die witzigen Fotos, auf denen die Kleidung (Käppchen, Mäntelchen) des Papstes „zum Spielball der Windböen“ wird, sprechen auch dafür. Dann noch bisschen Backtipps, Heilpflanze des Monats und Rom-Reisetipps. Fazit: Die 200 Euro für Madonna sind besser investiert.