Maren Kroymann sagt, sie musste 69 Jahre alt werden, um mit „Kroymann“ in der ARD endlich die Sendung machen zu können, die sie immer machen wollte. Die Sketch-Satiresendung beschäftigt sich mit den Ungerechtigkeiten zwischen Frau und Mann in unserer Gesellschaft, die Stücke sind mit sehr viel Liebe zum Detail produziert und beim Schauen bleibt einem alle paar Sekunden das Lachen im Halse stecken.
Maren Kroymann gibt ein Führungskräfteseminar für Männer. Sie bringt ihnen bei, wie sie in Zeiten von „MeToo“ Frauen weiterhin im Job fertig machen können, auch wenn sie sie nicht mehr mit anzüglichen Bemerkungen belästigen oder betatschen dürfen. Sie können ihnen in gutväterlich-herablassender Art Dinge erzählen, die sie sowieso wissen, sie können sie ständig unterbrechen, wenn sie sprechen, sie können ihre Arbeit schlechtmachen, sie können die schlechter qualifizierten und weniger Leistung bringenden männlichen Kollegen befördern. Am Ende des Seminars, als Kroymann die Veranstaltung verlässt, wird sie von den Teilnehmern aufgehalten. „Ist ja gut und schön, was Sie da erzählt haben, aber kann das Seminar nicht ein Mann halten?“ – „Sehr gut, meine Herren, Sie lernen schnell!“ In einem anderen Sketch erzählt ein Büro-Angestellter verzweifelt, er blicke nicht mehr durch – es sei okay, einer neuen Kollegin nett das Büro zu zeigen und den Kollegen vorzustellen, aber ihr nett den Kopierer zu zeigen und dabei an die Brüste zu fassen sei nicht mehr okay?! Für Fernseh- und Filmschaffende gibt es eine Hotline, bei der sie sich melden können, wenn sie in all den Jahren des Machtmissbrauchs auch nie etwas gesehen haben. In einer Talkshow sitzen der Moderator, drei Kreative aus Film und Fernsehen und Maren Kroymann als Schauspielerin. Thema ist, wie es Schauspielerinnen mit den sexuellen Übergriffen ging und mit MeToo heute geht. Die anwesenden Herren sinnieren darüber, Maren Kroymann kommt nicht zu Wort. Jedes Mal, wenn sie ansetzt, wird sie unterbrochen. Am Ende bittet sie der Moderator, doch die anwesenden Männer ausreden zu lassen, die seien schließlich noch nicht alle dran gewesen.
In „Spiel dein Leben“ treten in klassischer Quiz-Show-Manier ein Kandidat und zwei Kandidatinnen gegeneinander an. Für den Gewinn gilt es in jedem Spielschritt „Lebenspunkte“ zu sammeln. Es muss jeweils zwischen zwei Lebenssituationen entschieden werden. Der Kandidat ist dran. Bachelor abgeschlossen, Master machen oder in den Job? Er entscheidet sich für den Job. Als Berufseinsteiger im Mittelstand gibt es für ihn ein Gehalt von 3.200 Euro und 1000 Lebenspunkte. Maren Kroymann ist dran. Bei ihr sieht es in derselben Situation anders aus. Sie trifft dieselbe Entscheidung, bekommt ein Gehalt von 900 Euro und 200 Lebenspunkte. Die zweite Kandidatin hat deshalb Angst bekommen und trifft die Entscheidung weiterzustudieren. 400 Lebenspunkte. Der Kandidat gründet eine Familie. 2000 Lebenspunkte. Maren Kroymann gründet eine Familie, setzt aus, geht zurück in den Job. Minus 1000 Lebenspunkte. Kurz danach verliert sie den Job und den Mann, weil sie keinem mehr gerecht wird. Nochmal minus 1000 Lebenspunkte. Die zweite Kandidatin ist daraufhin so verschreckt, dass sie in ihrer Entscheidung den reichen Mann heiratet, den sie kennenlernt, und den Job an den Nagel hängt. 5000 Lebenspunkte und zur Hochzeit eine Brust-OP!
Ich wünsche mir sehr, dass Maren Kroymann 100 wird und die ARD die Serie einfach immer weiterproduziert.
| Der männliche Blick, die männliche Sicht – ähnlich fest verwachsen im gesellschaftlichen Alltag wie in diesem alten Baum im Ahrtal. |
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.