Mit Mitte dreißig fängt es an. Spätestens. Beim jährlichen gynäkologischen Vorsorgetermin wird man streng angeschaut und eindringlich gefragt, ob man denn nicht mal langsam in die Familienplanung einzusteigen gedenke. Auch in losen Gesprächen kommt man, je näher die Vierzig rückt, öfter in so eine seltsame Ecke, aus der heraus man sich glaubt dafür rechtfertigen zu müssen, dass man keine Kinder hat. Und auch keine möchte. Obwohl man, ja, Tatsache, verheiratet ist. Sarah Diehl, der Autorin des Buches „Die Uhr, die nicht tickt“ erging es ähnlich. Und sie hat ein sehr kluges Buch geschrieben, das nüchtern und unaufgeregt alle möglichen demografischen, politischen und wirtschaftlichen Sachverhalte zum Elternmodell und dem Kinderlosenmodell zusammenträgt und auf ihre Tragfähigkeit hin abklopft. Eine ihrer zentralen Thesen ist dabei, dass die Gesellschaft nicht weiter das vermeintlich gute tradierte Fünfzigerjahre-Familienidyll gegen die vermeintlich böse Vollzeit-arbeitende Nicht-Mutter ausspielen sollte, sondern im Zugestehen einer Pluralität der Lebensplanung und -formen im 21. Jahrhundert das Beste für alle ermöglichen sollte.
Sarah Diehl: Die Uhr, die nicht tickt. Kinderlos glücklich. Eine Streitschrift. Erschienen im Arche Verlag. ISBN 978-3-7160-2720-2.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.
