Kölnpfad II. Da isse, die Narzisse. Drum herum: Hunde, Industrie und später Naturschutzgebiet

Von Merkenich nach Schlebusch geht es diesmal beim Stadtumrundungsprojekt auf dem Kölnpfad. 30 Kilometer sind es laut Plan, mit den üblichen Verlaufern ein bisschen mehr, und ungefähr genau so viele Höhenmeter, also keine. Von Gewimmel auf dem Wiener Platz in Köln-Mülheim bis zum Wildnisfeeling im Naturschutzgebiet vor Schlebusch ist auch diesmal viel Abwechslung geboten, inklusive Päuschen in der Sonne am Rhein, ohne das geht es in Köln schließlich nie.

Wuff, kläff, winsel. Hunde, Hunde, überall Hunde. Corona beschert Deutschland eine Hundeschwemme. Es werden gefühlt von Woche zu Woche immer noch mehr, überall Gehechel, Geschirre, auf denen „Sicherheitsdienst“ oder ähnlicher Humbug steht, daneben, dazwischen und drum herum: befreit und glücklich dreinblickende Neu-Hundebesitzer. Für den städtischen Raum eine tickende Stinkbombe sondergleichen, denn es war ja schon zuvor alles vollgeschissen. Erst kürzlich bin ich im Dunkeln in einen frischen, weichen Riesenhaufen gelatscht und wäre fast noch ausgerutscht, nach einem langen Arbeitstag dynamisch ausschreitend, links und rechts Einkaufstaschen an der Hand und die Hundescheiße mitten auf dem Fußweg, der das kleine Einkaufszentrum mit meiner Wohnanlage verbindet. Ich habe mich so derart geekelt, dass ich meine stark in Mitleidenschaft gezogenen Lieblingsstiefel fast weggeschmissen hätte. Nach zwei Wochen Auslagerungskur auf dem Balkon habe ich mich dann mit Würgereiz an sie herangetraut. Also – künftig noch mehr davon. Jetzt fällt man eher schon auf, wenn man draußen in irgendeiner Rheinaue oder in einem beliebigen Baumstück ohne Hund unterwegs ist. Wie lange das wohl so bleibt? Im Moment sind die Tierheime leer, irgendwann werden sie überquellen vor lauter zurückgegebener Vierbeiner. Wenn die ganzen auf den Hund gekommenen Homeoffice-Haushalte feststellen, dass Flugreisen mit Hund, Berufspendelalltag mit Hund, überhaupt das Leben mit Hund sehr fordernd sein können, zumal kein einziges der Viecher wegen geschlossener Hundeschulen und Hundeübungsplätze erzogen sein wird. „Guck mal, da vorne, da könnte man von Weitem auch denken, das sei ein Reh. Aber es ist einfach nur ein riesiger brauner Hund!“, stellt meine Freundin, die auch diesmal dabei ist, auf dem rechtsrheinischen Damm fest. Kurz darauf hoppelt der verfrüht aufgebrochene Osterhase aus der Böschung, eines der Kölner Kaninchen, deren Population auch das Ausmaß einer biblischen Plage erreicht haben dürfte. Aber süß sind sie halt schon, die Schnuffel, die man hier in der Stadt überall antrifft, sobald es irgendwo mehr als drei Sträucher und dahinter eine Wiesenfläche gibt.

Den ersten Teil der Strecke ab Merkenich dominieren die Ford-Werke, die wir gefühlt aus allen Himmelsrichtungen und Perspektiven sehen. Meine Freundin freut sich nach dem Fühlinger See auf den Japanischen Garten, den ein Industrie-Mäzen angelegt hat, aber durch den führt der Kölnpfad dann ausgerechnet nicht. Im Waldstück, das wir stattdessen durchqueren, wachsen dafür jede Menge Narzissen, überall grüne Büschel und auch schon die eine oder andere kecke gelbe Blüte dazwischen. Hier sind die also! Hat es doch keine von uns beiden in vielen Jahren Eifelwandern jemals geschafft, die legendäre Narzissenblüte im Fuhrtsbachtal abzupassen. Entweder zu früh oder zu spät dran. Aber hier und heute in Köln-Niehl: perfektes Timing für die Narzisse!

Nach eher hässlichen Passagen mit dem Autoverkehr lassen wir diesen am Niehler Ei hinter uns (da ich mich selbstverständlich genau so gut verfahren wie verlaufen kann, unabhängig davon, ob ich mit oder ohne Navi unterwegs bin, kenne ich das Niehler Ei von einer verzweifelten Rückfahrt sonntags von meiner Freundin aus Düsseldorf. Im wochenendlichen Autobahngewirr aus baustellenbedingten Umleitungen ging ich restlos verloren und kurvte auch durchs Niehler Ei. Zweimal, beim ersten Mal habe ich die richtige Ausfahrt verpasst). Heute gehen wir drunter durch, passenderweise stinkt es nach Schwefel, das Niehler Ei ist ein faules. Danach geht es lange am Rhein entlang, den wir über die Mülheimer Brücke queren und im Getümmel auf dem Wiener Platz eine Eiscafé-Pause in der Sonne einlegen. Weiter am Rhein, nun auf der anderen Seite, und wir können uns den zurückgelegten Weg gegenüber anschauen. Weil die Sonne so schön scheint und ein zur Kaffeebud umgebauter Oldtimerbus herumsteht, lassen wir uns nicht lange bitten und setzen uns gleich nochmal in die Sonne. Durch Stammheim, Flittard, Dünnwald geht es weiter. 

Zwischendurch widersprechen sich der GPS-Track und die Markierung. Wir entscheiden uns für die Markierung, erstens weil wir schon ein beachtliches Stück vom Track weg sind und zweitens, weil die Markierungen so frisch und motiviert vom Eifelverein gepinselt aussehen. Bei den Tracks weiß man ja nie so genau, wer die wie gewissenhaft wann aufgezeichnet hat. Eine Weile geht es gut, kurz vor Dünnwald hören die motivierten Neumarkierungen auf und wir stehen ohne Track und ohne Markierung an der Landstraße. Wir folgen ihr ein Stück, entdecken einen vielversprechend aussehenden Bachlauf, den wir entlang gehen, und siehe da, kurz darauf stoßen wir wieder auf die frischen, noch glänzenden Markierungen. Was mit dem Stück dazwischen passiert ist, ist mal wieder eines dieser Rätsel, von denen die Wegsuche beim Wandern viele kennt. Nur deshalb kann der Spruch: Der Weg ist das Ziel überhaupt erfunden worden sein. 

Das letzte Stück bis Schlebusch verläuft im Wald und Naturschutzgebiet. Entlang der Seen entlegener Stadtteile wirkt alles sehr ländlich, so, als wäre man in der Eifel. Die ICE-Trasse links hinter den Bäumen muss man sich halt in Gottes Namen wegdenken, den Autoverkehr betreffend ist das gleichmäßige Rauschen der Autobahn sogar angenehmer als das Röhren, Rattern und Knattern von Motorrädern, Oldtimern, Quads und was die Leute sonst noch an lärmendem Gefährt wochenends aus der Garage holen und durch die Eifel jagen. Das hat schon so manche Wanderung dort vergällt, das Motorengebrüll fahrbarer Untersätze.

Am Schlusspunkt Schlebusch der heutigen Kölnpfadtour angekommen, wartet die Straßenbahn an der Endhaltestelle auf uns, als hätten wir sie uns dorthin bestellt. Wir gehen zügig hin, steigen ein und sie fährt los. To be continued, in Schlebusch geht es dann beim nächsten Mal weiter.

Die legendäre Niehler Narzissenblüte!

Logistik-Idyll

Paddler sind uns keine begegnet, dafür jede Menge Radler

Am Rhein ist´s einfach immer schön. Ich weiß auch nicht, wie der das macht, der Rhein.

Hunde und anderes Getier aus Draht. Sogar kopulierend (links).

Stillleben in Flittard. Welche Geschichten sich wohl hinter einem solchen Vorgarten-Szenario eines verlassenen Hauses verbergen?

Mal da, mal weg: die Kölnpfad-Markierung

Naturschutzgebiet kurz vor Schlebusch. Wüsste man´s nicht, würde man das Foto nicht mit einer Stadt wie Köln in Verbindung bringen.