Köln, römisch, mörderisch – und schwäbisch?

Als Immis verschiedener Abstufungen – der Mann ist immerhin im Kölner Umland aufgewachsen, die schwäbische Autorin fernab davon – absolvieren wir in Köln viele Stadttouren. Randnotiz: Im diesjährigen Karneval ist sogar ein Schwabe Mitglied des Dreigestirns – der Kölner ist wirklich tolerant. Es fehlt eigentlich noch eine Themenführung „Schwaben in Köln“ oder „Kölle, hallöle!“. Ich würde mich anbieten, das mit original schwäbischem Dialekt zu übernehmen. Es soll ja nun aber um Touren gehen, die es schon gibt. Der Mann und ich arbeiten uns langsam von den Must-haves in Special-interest-Ecken vor.

Eine sehr beeindruckende Tour war die Dombesteigung. Die Fahrt mit dem wackligen Lastenaufzug in luftige Domflankenhöhen und das von flauem Magengefühl unterlegte Herumstehen auf der zugigen Bauarbeitenfläche mit Aussicht auf die Türme bleiben in Erinnerung. Die vielfältigen Veedel der Stadt abseits des Mainstreams haben wir latschend erkundet mithilfe des Buches „Zo Foß durch Kölle jonn“ (auf dessen Neuauflage, neulich im Buchladen um die Ecke gesehen, ein Sticker prangt: „Lieblingsbuch von Barack Obama“. Habe ich nicht verstanden. Kann man sich Barack Obama die 14 Stadtspaziergänge abjoggend vorstellen? Nein. Vielleicht war es auch mal wieder ein Witz des Buchhändlers, der neigt zu solch subtilen Aktionen).

Eine römische Tour haben wir gemacht, Schwerpunkt unterirdisch, hier erfährt man vieles über die intelligenten Römer, ihr Frischwasser- und Abwassersystem, das Stadtleben in Zeiten der Colonia Claudia Ara Agrippinensium und über den pragmatischen Nachfahren der Neuzeit, der die alte römische Stadtmauer in ein Parkhaus integriert. So steht man, um diese zu besichtigen, im Dom-Parkhaus und atmet Abgase ein. Auch eine aus Römerzeit mit Originalpflastersteinen erhaltene Straße zum alten Hafen hinunter fiel diesem an Wertschätzung mangelndem Umgang zum Opfer: Die Steine wurden aufgrund von Bauarbeiten abgetragen, die Straße, vorher plan und flach, nachher wieder zusammengestoppelt. Allerdings ist sie jetzt, da die Steine nicht wasserfest markiert wurden und so nicht wieder wie vorher zusammengesetzt werden konnten, eine Stein gewordene Stolperfalle. Die armen alten Römer. Wenn die das von irgendwoher sehen, tut ihnen bestimmt das Herz weh.

Mit derselben Veranstalterin haben der Mann und ich uns auf Verbrechensexpedition begeben. Kölner Zuhälterringe der 1960er und 1970er Jahre, Vergewaltigungsopfer, Überfälle, Kindsraub: alles dabei. Und natürlich das Gladbecker Geiseldrama, das in Köln mit dem Zustieg eines Reporters ins Gangsterfahrzeug einen traurigen Höhepunkt fand. Sprichwörtlich Blut geleckt, werde ich den Mann und mich bald zur Führung „2000 Jahre Sex and Crime“ anmelden. Und mal recherchieren, welche Spuren die Schwaben in der Stadt hinterlassen haben könnten. „Jetz Grüß Gott, Kölle hallöle, mir gucked uns heit amol oo, was dr Schwob um dr Dom rom, net bloß in Ulm, um Ulm und um Ulm rom so gmacht hätt! I hoff, ihr hend a Strickjäckle dorbei, s wird zugich!“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Dem Dom aufs Dach gestiegen.

In einem noch nicht gentrifizierten Stadtteil sind wenigstens die Bellos schick.