Ja, da guckt die Alice Schwarzer fragend. Auf die Anzeige der neuen Lufthansa-Tochter „Eurowings“ im aktuellen Spiegel. Passenderweise finden sich sowohl diese unmögliche Anzeige als auch ein Interview mit der Ober-Leit-Feministin schlechthin in der Print-Ausgabe des Nachrichtenmagazins, so dass ich mich zu diesem Foto genötigt sah. Bei der Eurowings und damit Lufthansa ist es also immernoch so wie im Film „Catch me if you can“ mit Leonardo di Caprio, der in den 1960ern (!) spielt. Cooler, smarter Typ in dunkler Pilotenuniform ist umringt von einem Rudel gutaussehender, langbeiniger und -haariger Stewardessen – sogar die Farbe der Uniformen ist identisch:
Flugbegleiterinnen soll man heute statt Stewardessen sagen. Verbal hat sich also was geändert, bildlich offensichtlich – null. Und im Denken, das hinter solchen Bildmotiven steht, auch – null. Typ fliegt, Uschi bugsiert Servierwägelchen durch die Kabine und umringt schwärmerisch im Kollektiv den tollen Kerl mit dem Pilotenschein. „Das ist die neue Eurowings“, ist in der Anzeige zu lesen. Ich ergänze um: „…mit alten Klischees und überholten Role Models“. Was ist denn daran neu? Wo sind die männlichen Flugbegleiter, wo ist die Pilotin, wo sind die Menschen, die nicht nordeuropäisch aussehen? Wie kann man als Lufthansa, die sich wie alle großen Konzerne die Gleichberechtigung, die Diversität und all die schönen Modeworte ans Revers heftet, ein solch reaktionäres Anzeigenmotiv schalten?
Der Seximus treibt mich immer wieder um, stelle ich fest. Vielleicht sollte ich mal eine Initiativbewerbung zur „Emma“ schicken. Hier gesammelte melandertal-Beiträge zum Thema:
Sexism sells
Mädchenmotive
Perlen vor die Säue: Frauenrechtspreis für Miss Piggy
Geiler Gips, gerügte Brüste
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.
