Gestatten: Oinki, das Glücksschwein

Hallo Welt der treuen Leser, ich bin Oinki. Bis Anfang Januar lag ich mit vielen anderen Glücksschweinen meiner Art – schönstes Schweinchenrosa, knautschig-knuffig-weich, nett lächelnd und mit albernen Devotionalien zum Jahresbeginn bedruckt, Kleeblätter und sowas – in einer Pappkiste an der Kasse in einem Laden in Bad Godesberg.

Und dann kam – nein, nicht Polly in diesem Fall, sondern Melli. Sie sagt, sie möchte auch in diesem speziell sprachlich gearteteten Polly-Fall trotzdem nicht mit „y“ geschrieben werden. Also, Melli hat mich mitgenommen und zu Iris in die Praxis gebracht, und dort lebe ich seither. Iris arbeitet in einer Bad Godesberger Hausarzt- und Internistenpraxis und muss sich dort leider sehr viel, sehr ausgiebig und sehr oft über unverschämte, distanzlose, ignorante Mitmenschen ärgern, die sie als Patienten dort heimsuchen. Mein Auftrag für den Einsatz war ganz klar: Stressabbau für Iris. Immer, wenn es eng wird, stehe oder stecke oder liege ich parat und kann feste geknautscht werden, auch mit der ganzen Faust, das macht mir nichts. Ich helfe der Iris gerne.

Hier seht ihr mich bei der Arbeit, ich stehe griffbereit neben der Tastatur und kann sofort einspringen, wenn mein Knautschservice benötigt wird! Jetzt ist es so, dass sich schon nach sehr kurzer Zeit mein Tätigkeitsfeld in der Hausarztpraxis erweitert hat. Das fing schon damit an, gleich am ersten Tag, dass auch der Chef von der Iris Bedarf hatte, mich zu knautschen. Vor lauter Ärger. Ich steckte griffbereit in Iris´ Kitteltasche und bin seither also in einer Art Ketten-Knautsch-Kaskade umfassend im Dienst. Manchmal muss mich die Iris sogar suchen, weil sie gar nicht weiß, wer jetzt gerade wo Stress an mich abdrückt. Nur zu den internistischen Untersuchungen darf ich leider nicht mit, aus hygienischen Gründen (also, ich hoffe sehr, das muss ich an der Stelle jetzt mal sagen, dass das nichts damit zu tun hat, dass ich ein Schwein bin! Uns Schweinen wird ja oft unhygienisches Verhalten nachgesagt, wir würden uns im Schmutz und in Exkrementen wälzen und sowas, also, ich kann da nur für mich sprechen: Ich mache sowas nicht!) – auch wenn mich das natürlich sehr interessieren würde, so eine Darmspiegelung. So, Leute, und jetzt stehe ich vor einer völlig neuen Herausforderung. Die tröstet mich über den Ausschluss von manchen Untersuchungen sogar ein bisschen hinweg. Das hätte ich mir nicht träumen lassen, als ich da mit den anderen Schweinchen in der Kiste lag! Ich habe davon reden hören, dass ich bei der Blutabnahme den Blutfluss unterstützen soll, indem ich von den Angezapften in der Hand geknautscht werde. Sowas machen sonst nur langweilige Bälle. Und jetzt ich, Oinki! Ich bin wahnsinnig stolz auf diese verantwortungsvolle Aufgabe und hoffe, dass man mir meine Aufregung nicht anmerkt, wenn zum ersten Mal eine ältere Dame zur Blutabnahme an mir herumdrückt. Ich werde sie besonders freundlich anlächeln und ihr die linke Wange mit dem Glückskleeblatt entgegenhalten.