Ich habe leider kein Photo-TAN für dich

Bislang hatten mein Bankkonto und mein Smartphone nichts miteinander zu tun. Das fand ich ganz gut. Dabei hätte ich es gern belassen. Leider ändert sich das jetzt. Meine Bank findet, die analoge Harmuth muss endlich weg von ihrer iTAN-Liste und hin zur Photo-TAN. Dies führte dazu, dass ich vorübergehend gar nichts mehr machen kann auf meinem Konto.

Es ist immer alles so easy. Und so safe. Zu meiner eigenen Sicherheit, zu meinem eigenen Vorteil. Ja, klar. Bislang habe ich die schmeichelnden Versuche meiner Bank, mich von meiner schön säuberlich im Ordner abgehefteten TAN-Liste zu trennen, einfach ignoriert. Jahrelang. Jetzt ist Schluss. Die Bank hat vermutlich keine Lust mehr, für die letzten fünf Kunden in Deutschland, die noch ihr Papier-TAN-Verfahren nutzen, Papier auszudrucken, in einen Umschlag zu stecken, diesen zu frankieren und zu versenden. Deshalb wird das Verfahren jetzt abgeschafft. Als Begründung muss mal wieder die EU herhalten. Wer nicht auf das Photo-TAN-Verfahren umsteigt, kann sein Online-Banking nicht mehr nutzen.

Die Bank hat ihre E-Mail-Frequenz bedrohlich gesteigert. Die zeitlichen Abstände zwischen den Erinnerungsschreiben, jetzt aber wirklich und endlich meine Registrierung vorzunehmen, um auch künftig was mit meinem Konto anfangen zu können, werden bedrohlich kürzer und der Abschalttermin rückt näher. Ich gebe mich geschlagen. Morgens früh mache ich mich an die Arbeit. App installieren, Grafiken scannen, Papier-iTAN eingeben (aha! Dafür braucht man sie dann doch noch!), Gerät erkannt, noch ein letzter Schritt. Passwort vergeben. Ja, gut, ist vielleicht nicht schlecht, dann kann nicht jeder, der mein Smartphone klaut, was mit der App anfangen. Hätte ich weiterhin mein schönes, mit Ziffern vollgedrucktes TAN-Blättchen im Ordner, hätte ich auch künftig kein Problem mit meinem Konto, wenn einer mein Smartphone klaut. Ich stehe auf, gehe ins andere Zimmer, hole mein Passwortbüchlein (analog, was sonst!) und nachdem ich meinen neuen Eintrag für die Photo-TAN-App auf Papier geschrieben habe, wende ich mich wieder der Photo-TAN-App zu, um ebendieses dort einzutragen. Allein, die App fand in der Zwischenzeit, das dauere irgendwie alles zu lange. Der nicht abgeschlossene Prozess hängt, ich kann keine Eingaben mehr machen. Ich kann das für Photo-TAN sozusagen halb angelegte Smartphone auch nicht löschen. Ich kann den Prozess auch nicht neu starten. Auf meinem Konto erscheint die Meldung „Für Ihr Konto ist kein TAN-Verfahren aktiviert. Bitte aktivieren Sie dringend ein TAN-Verfahren“. Das ist ja toll. Die Photo-TAN ist noch nicht da, aber meine gute alte Papier-iTAN ist schon weg. Ich rufe die Hotline an. Offensichtlich bin ich nicht die Erste, die an dieser Stelle scheitert, denn der freundliche Mann am anderen Ende weiß sofort, wovon ich rede. Die Lösung: Er sendet mir ein Aktivierungsschreiben. Damit kann ich den Scan-Tipp-TAN-Prozess neu starten. Dieses Schreiben kommt: per Post. Ich möchte weinen. Wieso nimmt man mir meine Papierliste weg, um mir dann mit Papier aus der elektronischen Patsche zu helfen? Es ist, natürlich, wie konnte ich das vergessen, zu meiner eigenen Sicherheit, zu meinem eigenen Vorteil.

Am Boden, TAN-los und auch sonst von allen guten Geistern verlassen. So kann es mir Alt-Analoger schon mal gehen, wenn ich fancy Gadgets aus der elektronischen Welt nutzen soll.