Nebenan wird am Wochenende eingezogen, also nichts wie raus, in die Eifel. Die ersten drei Etappen des Ahrsteigs sind das Wanderprogramm für zwei Tage. Schönster Sonnenschein, blauer Himmel, schwere Beine und Eifelcharme inklusive.
Der Ahrsteig wird mittlerweile als kleiner Bruder vom Eifelsteig, wenn man so will, ziemlich stark vermarktet. Vor ein paar Jahren bestand er aus zwei Etappen um Altenahr, zwischenzeitlich wurde der Wanderweg dies- und jenseits erheblich verlängert und reicht nun von Blankenheim bis nach Sinzig. Ausgesprochen klingt der Ahrsteig eigenwillig, immer ein bisschen wie Arsch-Teig. Und das weckt keine schönen, schon gar nicht sportlichen, Ambitionen. Sieht (oder hört) man darüber hinweg, ist der Ahrsteig durchaus attraktiv. Es geht munter auf und ab, Fels und Schiefer wechseln mit Abschnitten an der plätschernden oder auch mal wirbelnden Ahr, Einkehr hier und da gibt es auch und immer wieder lauschige Plätze und schöne Aussichtspunkte mit Fernsicht.
Der Mann und ich nehmen Quartier in Aremberg. Neben der alteingesessenen Burgschänke gibt es dort neuerdings die Pension Der Rotmilan. Michele, ein gebürtiger Italiener, und Katja haben sich ein Haus mit Riesengrundstück gekauft, umgebaut, Bienen draufgestellt und verdienen sich mit nächtigenden Wandersleuten ein paar Euro zu ihren Jobs hinzu, die sie trotz des Umzugs von Köln behalten haben. Home-Office sei Dank. Beim Mann und mir würde ein solches Projekt schon allein dadurch erschwert, dass wir Home-Office-averse Arbeitgeber haben und uns in einem solchen Fall gleich beide einen neuen Job suchen könnten.
Außer uns sind an diesem Wochenende Alexander und Katharina aus Bonn zu Gast mit ihrem Berner Sennenhund Bella. Michele bekocht uns mit einem italienischen Menü, Bella ist den ganzen Abend über sehr enttäuscht, dass ihr die Zweibeiner trotz flehentlicher Blicke nichts davon abtreten und bekommt schließlich doch noch einen Teller Nudeln. So wie sie aussieht, scheint sie aber zu wissen, dass das nicht das ganze Programm auf den Menschentellern gewesen sein kann. Alexander ist der Typ Mann, der redet und redet und redet, um keine Stille aufkommen und auch sonst nichts geschehen zu lassen. Im Laufe des Abends stellt sich heraus, dass nicht nur er, sondern auch Michele und natürlich der Mann an meiner Seite sich der IT verschrieben haben. Dafür geht es erfrischend wenig um IT-Themen, sondern mehr um das Leben in der Eifel, Micheles Probleme, bei den Ureinwohnern Akzeptanz zu finden, die aus Asien eingewanderte Milbe, die den Bienen das Leben schwer macht und den armen Kater, der ursprünglich als Bruder von Katze Daisy mit zum Aremberger Anwesen von Michele und Katja gehörte. Er wurde von einem Hund eines Spaziergängers totgebissen. Daisy ist seither Alleinkatze und hat erstaunlicherweise überhaupt keine Angst vor Hunden. Bella und Daisy kommen sich den Abend über immer wieder interessiert nahe, und das, wo Bella ein sehr großer Hund und Daisy eine sehr kleine Katze sind. Daisy ist überhaupt eine sehr mutige Katze. Sie hat nach der zweiten Tagestour ihren kleinen Kopf ganz tief in meinen gerade ausgezogenen linken Wanderstiefel gesteckt und dringelassen, was ihr für immer meine Hochachtung einbringen wird.
Was die Wanderfreude etwas eintrübt, sind die schlechten infrastrukturellen Verhältnisse für den Etappentransport. Bei Streckenwanderungen muss man ja immer irgendwohin oder nach Irgendwo zurück und braucht entsprechende Verkehrsmittel. Wo kein Nahverkehr, da ein großes Problem und meist sehr teure Taxifahrten. So war es letztes Jahr, um von Altenahr nach Insul zu gelangen, und so war es jetzt, um von Insul und Blankenheim jeweils zurück nach Aremberg zu kommen. Da werden schon mal 20 Euro Anfahrtspauschale aufgerufen. Im vor kurzem absolvierten Brasilien-Urlaub sind der Mann und ich ausschließlich Uber gefahren und haben daran mit großer Wehmut zurückgedacht, als wir für keine 20 Kilometer Fahrt jeweils 40 Euro bezahlt haben. Taxi Dieter hat´s gefreut. Während der Taxifahrten wurden wir en détail über die einzelnen Bauabschnitte und Handwerker-Havarien des naturbelassenen Holzhausbaus des Fahrers – „ich komm ja aus Düüüsbuach!“ – informiert und lernten neue Eifelklischees kennen: „Ich sach ja immer, wat willze erwarten von nem Volk der Schmuggler und Raubritter wie de Eifeler – gibt dir n Eifeler die Hand, zählze hinterher besser die Finger!“
Die waren gottlob noch alle dran, nur die Beine fühlten sich an, als hätte jemand bis auf die Knochen an ihnen herumgesägt. Dafür konnte nur kein Eifeler was, das war einfach der Muskelkater. Und die Rache der Wander-Winterpause.
| Aussichten bietet der Ahrsteig reichlich. |
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.