Gleich vorweggeschickt: Das Foto ist irreführend bezüglich des „Fibo-Feelings“. Ich war auf der riesigen Kölner Fitnessmesse beim Spinning – zusammen mit allen anderen 150 Alten, die insgesamt auch da waren. Die stilsichersten von ihnen saßen direkt vor mir. Die restlichen mehreren tausend Menschen waren maximal 25 Jahre alt, und um die soll es gehen. Leider hab ich aber nur dieses eine Foto gemacht.
Morgens um viertel nach acht fallen mein Sportsfreund und ich an der Messe-Haltestelle aus der Straßenbahn – und schon auf. Wir sind alt. Und tragen gedankenlose Freizeitkleidung, in meinem Fall Jogginghose mit Loch drin, Sweatjacke, im Fall des Begleiters eine praktische Outdoorweste. Mit Blicken, die „uncool“ oder „aso“ assoziieren lassen, wird meine Roll-Sporttasche begutachtet. Ich bin zudem nicht geschminkt oder sonstwie gestylt. Sport ist kein Lifestyle für mich, sondern Leibesertüchtigung. Damit bin ich auf dieser Messe völlig fehl am Platz, denn hier geht es: nur um Lifestyle. Es ist kalt, aber kaum jemand trägt mehr als ein Nike-Fitnessfähnchen und knappe Shorts (Mädels) oder ein Muscleshirt und Männer-Sportleggings (Jungs).
Vor dem Eingang hat sich bereits eine große Menschentraube gebildet und jede Menge junge, austrainierte, tätowierte, sorgfältig frisierte Menschen warten auf Einlass. Vor ein paar Jahren war ich schonmal bei dieser Spinning-Veranstaltung der Fibo und seinerzeit genauso geflashed von der Vielzahl dieser Fitnessbesessenen, die man sonst vereinzelt im Fitnessstudio, aber nie in einer solch homogenen Masse sieht. Geändert hat sich seither: Jetzt sind alle auch tätowiert.
Beim Weg durch die Messehallen bin ich schon optisch geradezu erschlagen von dieser schrillen Lifestyle-Fitness-Meute. Hinzu kommt die Akustik: Es gibt jede Menge Fläche mit jeder Menge Sportangeboten drauf. Und zu jedem dieser Angebote läuft sehr laut Musik, so wie in den Gruppenkursen im Fitnessstudio. Man hat also gefühlt auf jedem Schritt und jedem Tritt eine 1.800-fache Gruppenkursmusikbelastung. Wenig später reduziert sich das wenigstens auf eine, wenn auch sehr laute, aber gewohnte Musikquelle: das Gewummer des Spinning-Techno-Sounds.
Weitere Impressionen auf der Fibo-Website
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.