Hash key im Headset

So muss es in Babylon gewesen sein. Am Turm. Was damals der Baulärm, erledigt heute das Knacken und Rauschen in der Leitung. Drum herum und dazwischen Stimmen- und Sprachengewirr. Am Telefon, genauer: in einer internationalen Telefonkonferenz. Verschiedene Menschen aus verschiedenen Ländern wählen sich für ihren gemeinsamen Arbeitgeber über eine bestimmte Telefonnummer und einen Teilnehmercode ein. Die Ansagen des Computermoduls, das die so genannten „Telkos“ steuert, erinnern an die automatischen Durchsagen der Deutschen Bahn am Bahnsteig. Obwohl, so wie der Computer „followed by the hash key“ ausspricht, so könnte es auch glatt ein IC- oder ICE-Zugbegleiter sagen. In der Telko angekommen – meine Kollegen benutzen hierfür überwiegend Headsets; ich verweigere mich dem ein bisschen, weil ich mich mit so einem Ding auf dem Kopf fühle, als würde ich im Callcenter hocken – in der Telko höre ich mir ein wenig „Britalian“ an, eine Mischung aus „British English“ und „Italian“, gewissermaßen Konzernsprache. Und denke dabei an den Turmbau zu Babel. Ob der liebe Gott gleich herniederfährt und durch einen Blitzschlag die Telko beendet? Nein, macht er nicht. Es rauscht und knackt weiterhin um das Sprachengewirr herum. Und ich frage mich abends, mit schmerzender Schulter vom eingeklemmten Festnetztelefonhörer, ob die Entwicklung, die alles genommen hat vom Babelturm bis hin zu Headsets und Hash keys, im Ganzen einfach eine Fortschreibung der biblischen „Verfehlungsgeschichten“ ist.

Veröffentlicht in: Job