Schöne neue Einkaufswelt, schöne neue Welt des Onlinehandels, in der vermeintlich alles nur zwei Klicks, maximal drei, entfernt ist. Magisch. Modern. Metropolisch. Klick, klick, klingel, Produkt am Mann.
Leider funktioniert das so immer nur in irgendwelchen mit angeschrägter Perspektive, warmem Gegenlicht und chilliger Musik erstellten Werbeclips. In der Wirklichkeit steht man, so wie ich mal wieder, nach drei Online-Bestellvorgängen ohne Ware, dafür mit aufsummierten Vorkassezahlungen und einem überbordenden E-Mail-Verkehr da, bei dem man im Wechsel den Überblick und die Nerven verliert. Schon so viele Male habe ich mir vorgenommen, einfach nur noch offline einzukaufen, so wie früher, reingehen, anfassen, an-oder ausprobieren, anstellen, zahlen, fertig. Und dann hockt man wieder sonntags auf dem Sofa und es fällt einem ein, ach ja, die Sonnenmilch für den Urlaub (Online-Apotheke, Einkaufswagen, fertig), die Kisten für den chaotischen Zweitkleiderschrank (Ikea, Onlineshop, Einkaufswagen, fertig) und diese beiden Bücher, die man, obwohl man zweimal täglich an der Bahnhofsbuchhandlung vorbeischlappt, immer noch nicht gekauft hat (Amazon, Einkaufswagen, fertig). So. Dreimal bestellt, dreimal angeschmiert.
Die Online-Apotheke liefert (fortschrittlich) an DHL Packstationen. Doof nur, dass sie die an eine Packstation adressierte Sendung den geflügelten Konkurrenten von Hermes übergibt. Ausgang ungewiss. Das Hermessystem merkt erst wieder, wenn der Zusteller mit Flügelhelm vor der Packstation stehen wird, dass es gar nicht an irdische DHL Packstationen zustellen kann. Schon x-mal erlebt. X-mal gingen die Sendungen zurück, bis ich am Ende dann jedes Mal doch im guten alten Offline-Handel gekauft habe. Ikea weiß nicht, wo die bestellten SKUBB-Kisten sind. Nach einer Woche haben sie angeblich das Lager noch nicht verlassen, wegen interner Prozessprobleme. Ich denke an das Smaland und die Durchsage, dass meine SKUBB-Kisten dort auf Abholung warten und sie einfach keiner aus diesen bescheuerten bunten Bällen rausholt. Abgebucht hat man den Kistenbetrag selbstverständlich aber schon einmal. Nach zehn Tagen weiß Ikea immer noch nicht, wie es jetzt im Lager und mit der Sendung ausschaut, und ich fahre einfach mit dem Mann zu Ikea und wir kaufen diese blöden Kisten dort. Als ich die Online-Kisten abbestelle, stellt Ikea fest, dass die Kisten doch schon einmal das Licht der Welt erblickt (das Lager verlassen) hatten, auf wundersame Weise aber wieder dorthin zurückgekehrt seien. Man wisse auch nicht, wo die jetzt zwischendurch waren (in die Prozesse von DHL habe man keinen Einblick). Bei mir jedenfalls nicht. Vielleicht im Ikea-Himmel. Vielleicht wirklich im Smaland. Tja, und die Amazonbücher, die haben es immerhin bis zur Packstation geschafft. Die war nur mal wieder kaputt (vielleicht hat sie jemand kaputtgetreten, weil er oder sie es nicht mehr ertragen hat, so wie ich, von dieser blöden Kistenmaschine einen schönen Tag gewünscht zu bekommen) und die Bücher sind deshalb in die Filiale weitergezogen. Dort kommt man als Vollzeitbeschäftigter immer nur am Wochenende hin und muss sich für mindestens eine halbe Stunde in die Schlange stellen, ungewaschene Mitmenschen ertragen, lärmende, Auslagen demolierende Blagen und die verzweifelten Versuche der des Englischen kaum mächtigen Schalterangestellten, weder deutsch noch englisch sprechenden Mitmenschen komplizierte Postbankformulare und Kontoeröffnungs-, wahlweise Überweisungsvorgänge zu erläutern (all das, liebe DHL, all das ist der Grund, warum man an die Packstation liefern lässt!). Wie wäre es also, liebe DHL, Packstation-Sendungen einfach an andere Packstationen umzuleiten! Eine im Umkreis von fünf Kilometern wird ja mal funktionieren! Und ich nehme mir jetzt einfach mal wieder vor, nur noch echt, analog, zum Anfassen und offline bei echten Menschen mein Zeug zu kaufen.
Update: Von Ikea lasse ich vier Wochen später über die Bank das Geld zurückbuchen, weil auch nach mehrmaliger schriftlicher Aufforderung, das Geld zurückzuüberweisen, keinerlei Reaktion erfolgt. Wie wäre es mit dem Sessel AUSBAD im Sortiment? Oder dem Bücherregal STOIK? Die statt an DHL an Hermes übergebene Sendung konnte ich mit zahlreichen E-Mails innerhalb von nur zwei schmalen Wöchelchen von der Packstation weg in einen Hermes-Kiosk locken (gut, geliefert wurde dann in einen anderen als den angegebenen Kiosk – geistesgegenwärtig bin ich auf gut Glück gleich zwei abgeradelt, die in Frage kamen). Und weil ich mich über Ikea so geärgert habe, kommt hier jetzt auch noch der Link eines Möbelladens hin, der Ikea auf die Schippe nimmt.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.