Hallo, Hella!

Grellblonde Haare, kräftig geschminkte Lippen, schriller Overall: Das ist Hella von Sinnen. Schon immer finde ich sie großartig, weil sie im Fernsehgeschäft den ollen Kerlen ordentlich was entgegenhält, einfach nicht den Konventionen für Fernsehdamen entspricht, von einer großen Klappe bis hin zu ihrer inszenierten Anti-Fernseh-Silhouette. Vermutlich hätte es eine Carolin Kebekus ohne Wegbereiterinnen wie Hella nicht geben können. Die Sat.1-Sendung „Genial daneben“, die zum Glück wiederauferstanden ist, finde ich schon deshalb lustig, weil Hella von Sinnen immer so schön herablassend „alter Mann“ zu Hugo Egon Balder sagt. Wie schön wäre es, wenn alle Frauen überall, unabhängig davon, was sie machen, auch so lässig „ach, lass mal, alter Mann“ oder „was hat der alte Mann schon wieder gesagt?“ in den Raum poltern könnten.

Neulich habe ich die Fernseh-Hella dann mal in echt gesehen. Beim Spanier. In Köln läuft man ständig irgendwelchen Fernsehmenschen über den Weg, Michael Kessler radelt an der „Alten Liebe“ an einem vorbei, Cordula Stratmann kauft eine Reihe weiter bei dm ein, Frank Plasberg hechtet an der Bushaltestelle vorbei zu seinem Wagen. Hella also. Ich bin ganz elektrisiert, der Mann merkt das. „Komm bloß nicht auf die Idee, die Hella anzusprechen.“ Jaja, ich weiß, gehört sich ja nicht, als Nicht-Prominente prominente Menschen belästigen. Ich halte es aber nicht aus. Auf dem Rückweg von der Toilette fasse ich mir ein Herz, stelle mich schräg hinter Hella auf wie im Kirchenchor zweite Reihe und höre mich sagen: hallo, Hella! „JETZT NICHT!“ bricht es urgewaltig und streng aus der auf der Theke aufgestützten Frau heraus. Ich fühle mich schlagartig 35 Jahre jünger, nicht nur, weil ich an diesem Tag ausgerechnet so ein braves schwarz-weißes Kleidchen mit Schleife im Haar trage. Unbeholfen und erschrocken stehe ich da. „Was willst du der Hella denn sagen?“ fragt die einen Hocker weiter sitzende Hella-Freundin freundlich und schaut mich an. Ich glaube, ich bin wirklich sechs Jahre alt. Hella schaut mich nicht an. „Ähm, also, ich finde die Hella schon immer total super, sie ist so eine Art Idol für mich, für die Sache der Frauen“, stottere ich vor mich hin. „DAAAANKE“, schluchzt es aus dem versunkenen bunten Wesen heraus. Ich bin ganz durcheinander, ringe mir noch ein „ähm, ja, tschüss dann und alles Gute“ ab und sinke auf die Holzbank neben den Mann. Der guckt streng. „Du hast jetzt doch nicht etwa… die Hella doch angesprochen?“ Aus der Sechsjährigen-Nummer komme ich heute nicht mehr raus. „Ähm, doch, und sie war ganz schlecht drauf.“ – „Hätte ich dir gleich sagen können, die sah schon so fertig aus, als die reinkam.“ Uwe, der mit uns beim Spanier sitzt, nickt und presst zwischen Boquerones und Patatas ein „Stimmt!“ heraus. Tja. Da haben ausgerechnet zwei Kerle das bessere Gespür im Umgang mit der tollen Hella. Einfach: genial daneben.

Geschrumpft, spillerig und kopflos – mein persönlicher Hella-Moment im Bild. Das Foto ist zwar bei der Tim-Burton-Ausstellung in Brühl entstanden, passt aber trotzdem gut zum Grundschülerinnenfeeling meiner Begegnung.