Hagen Rether bleibt liegen

Es ist 23.16 Uhr. Wochentags. Nach mehr als drei Stunden Kabarettprogramm verlasse ich entkräftet den Raum. Vielmehr: versuche ich zu verlassen. „Selber Schuld!“, ruft der Kabarettist Hagen Rether mir hinterher, als ich mich rausschleiche. Eine Stunde zuvor hatte er noch den Witz gemacht, dass er früher nur bis 22 Uhr spielen konnte, da am nächsten Tag alle hätten arbeiten gehen müssen. Heutzutage, in Zeiten von Hartz IV, sei das anders, da müsse er keine Rücksicht mehr nehmen. Also: Mit Hagen lachen, bis der Morgen graut? Ach, nee. Die Angestellte legt sich lieber hin. Mit mir verlässt ein älteres Ehepaar den Raum. Er erleichtert, sie ein wenig verstimmt. „Musste das jetzt sein!“, keift sie ihn an. „Ja“, gibt er entnervt zurück. „Ich muss morgen Früh nämlich aufstehen, du und der Rether aber nicht.“