Frei nach Rammstein: „Heirate mich“ (Müll!)

Seit fünf Jahren leben Marco und ich nun in unserer gemeinsamen Wohnung. Die hat einen riesengroßen Megahaken: unseren irren Nachbarn. Der ist Mitte fünfzig, wohnt mit seiner Mutter in der Wohnung über uns und ist besessen von Müll. Tagein, tagaus, tags wie nachts räumt dieser Durchgeknallte sich durch alle Mülltonnen (die zum Haus gehörigen, an Bushaltestellen angebrachten, im Park aufgestellten), durch Hundekotsammelstellen, durchs Gestrüpp – durch alles, wo irgendwie mit Müll zu rechnen oder Müll zu finden ist. Der wird dann großflächig angeschleppt, ums Haus herum und im Hof verteilt, stundenlang in seine atomaren Bestandteile zerlegt und in die Tonnen sortiert. Der Irre bringt und fischt alles durch. Alles, was man wegwirft, hat er kurze Zeit später in seinen Händen. Was zur Folge hat, dass Marco und ich bis auf den Restmüll nichts über die zum Haus gehörenden Tonnen entsorgen. Aber auch das bereitet schon oft genug Kummer – ich werde wohl nie vergessen, wie eines späten Abends vor Weihnachten meine gesammelten, sortenrein gestapelten, gebrauchten Tampons der letzten Monatsblutung auf dem Gehsteig ausgebreitet waren. Wir haben schon sehr viel unternommen; es hilft alles nichts. Ordnungsamt, Polizei, Nachbarschaftsstreitigkeiten, Geschrei mit dem Irren, Geschrei mit seiner Mutter, man wird ihn nicht los. Ich habe ein ziemlich krankes Lied von Rammstein umgedichtet. Auf den Irren und seinen Müll.

Man sieht ihn um die Tonnen schleichen
schon immer ist er ganz allein
Der Irrsinn raubt ihm alle Sinne
dort, jede Nacht im Laternenschein

Dort bei den Tonnen steht der Irre
nur er alleine kann es sein
und auf dem Zaun die Plastiktüte
ist seinerzeit und stets sein Schrein

Den Müll hier auf den Zaun gespießt
geh ich nun graben jede Nacht
zu sehen was noch übrig ist
von dem, was and´re weggebracht

Dort bei den Tonnen verbring ich die Nacht
dort zwischen Schnecken ein einsames Tier
tagsüber lauf ich der Nacht hinterher
und nachts ich mich mit Unrat beschmier

Heirate mich (Müll!)

Mit meinen Händen grab ich tief
zu finden was ich so vermisst
und als der Mond im schönsten Kleid
ich Papier, Pappe, Plastik zerriss

Ich nehm es zärtlich in die Hand
das ganze Glas, Faulobst, Papier
und Teile fallen davon ab
und wieder ich mich mit Unrat beschmier

Heirate mich (Müll!)

So nehm ich was noch übrig ist
die Nacht ist still, ich bin beknackt
ich räume, bis der Morgen grüßt
hab alles sortenrein verpackt

Hier das Lied mit Originaltext in Originalfassung.